Die Landwirtschaft steht vor der Herausforderung, den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren, ohne dabei auf hohe Erträge zu verzichten. Eine französische Studie hat nun einen alternativen Ansatz untersucht, der als „dritter Weg“ bezeichnet wird. Dabei werden mechanische Unkrautbekämpfung und gezielte Mineraldüngung kombiniert, um die Erträge im Ackerbau stabil zu halten. Diese Methode zeigt vielversprechende Ergebnisse, stößt jedoch auch auf einige Hürden.
Mechanische Unkrautbekämpfung als Schlüssel
Die Studie im Netzwerk Rés0Pest, die über zehn Jahre an neun verschiedenen Standorten in Frankreich durchgeführt wurde, zeigt, dass unter optimalen Bedingungen Erträge auf dem Niveau des konventionellen Ackerbaus erzielt werden können. In manchen Fällen konnte sogar das Nettoeinkommen gesteigert werden. Allerdings bleibt die Unkrautregulierung eine zentrale Herausforderung. Ohne chemische Pflanzenschutzmittel setzen die Systeme auf agroökologische Praktiken wie lange Fruchtfolgen und eine gesunde Bodenpflege.
Ergebnisse aus Deutschland bestätigen den Ansatz
Ähnliche Studienergebnisse wurden auch in Deutschland im Rahmen des NOcsPS-Projekts beobachtet. An Standorten wie Hohenheim lagen die Weizenerträge nur leicht unter denen des konventionellen Anbaus, während sie in anderen Regionen wie Brandenburg deutlicher abfielen. Dies verdeutlicht die Bedeutung von Standortfaktoren wie Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit für den Erfolg des „dritten Weges“.
Praktische Umsetzung für Landwirte
Für Landwirte bedeutet dies eine Anpassung ihrer Praxis: längere und diversifizierte Fruchtfolgen sowie eine Professionalisierung der mechanischen Unkrautkontrolle sind entscheidend. Dies erfordert mehr Arbeitszeit und Ressourcen, doch gleichzeitig können indirekte Energieeinsätze und Treibhausgasemissionen reduziert werden. Der gezielte Einsatz von Mineraldünger bleibt ebenfalls ein wichtiger Aspekt zur Erreichung von Ertrags- und Qualitätszielen.
Wirtschaftliche Chancen durch Marktanreize
Der „dritte Weg“ könnte sich wirtschaftlich lohnen, insbesondere wenn Marktanreize oder Förderprogramme bestehende Mehrwerte anerkennen. Dies wird zunehmend auch in europäischen Agrardiskussionen thematisiert, da der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz an Fahrt gewinnt.
Blick in die Zukunft: Chancen und Risiken
Obwohl dieser Ansatz vielversprechend erscheint, müssen Landwirte stets die Qualität ihrer Ernteprodukte im Auge behalten. Insbesondere Mykotoxine könnten bei unzureichender Regulierung ein Problem darstellen. Dennoch bietet der „dritte Weg“ eine praktikable Alternative zur vollständigen Umstellung auf biologische Landwirtschaft und könnte somit für viele Betriebe eine attraktive Option darstellen.
