In der Europäischen Union sorgt ein neuer Lebensmittelskandal für Aufsehen, nachdem bekannt wurde, dass etwa 62 Tonnen brasilianisches Rindfleisch mit dem Hormon Estradiol belastet in den Handel gelangt sind. Dieses Hormon wird zwar zur Förderung des Wachstums in der Tiermast eingesetzt, ist jedoch innerhalb Europas aufgrund möglicher Gesundheitsrisiken verboten.
Verbreitung trotz Warnungen
Die Situation wird noch brisanter durch die Nachricht, dass zwei weitere Lieferungen von jeweils rund 25 Tonnen in den Niederlanden aufgehalten werden konnten. Dennoch gelangte ein erheblicher Teil des Fleisches in europäische Märkte und wurde in Länder wie Deutschland, Italien und Tschechien weiterverkauft. Diese Informationen stammen von der österreichischen Kronenzeitung.
Bereits im Vorjahr hatten Kontrollbehörden auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen und entsprechende Warnungen ausgesprochen. Trotz dieser Vorkehrungen fanden Spuren der belasteten Ware immer noch ihren Weg in etwa zehn EU-Staaten.
Kritik aus der Landwirtschaft
Nicht nur Verbraucherorganisationen zeigen sich besorgt: Auch der österreichische Bauernverband äußert scharfe Kritik. Paul Nemecek, Direktor des Niederösterreichischen Bauernbundes, hebt hervor, dass heimische Landwirte strenge Vorschriften befolgen müssen, während importierte Produkte aus Brasilien offenbar nicht denselben Standards entsprechen. Dies führe zu einer ungleichen Wettbewerbsbedingung und schwäche das Vertrauen der Konsumenten.
Mercosur-Abkommen unter Beschuss
Kritiker des Mercosur-Freihandelsabkommens sehen ihre Bedenken bestätigt. Die EU erwägt weiterhin die Umsetzung des Abkommens, obwohl eine gerichtliche Überprüfung noch aussteht. Bereits im Januar sollen EU-Kontrollen Auffälligkeiten festgestellt haben; dennoch wird politisch Druck gemacht, das Abkommen voranzutreiben. Dieser Vorfall könnte als Symbol für eine größere Thematik dienen: Ist die Handelspriorität höher zu bewerten als die Lebensmittelsicherheit?
Letztlich stellt dieser Skandal nicht nur das Handelsabkommen infrage, sondern auch das Vertrauen der Verbraucher in die Sicherheitsmechanismen Europas.
