Der Milchpreis ist in Ostdeutschland auf unter 40 Cent gefallen, was für viele landwirtschaftliche Betriebe ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten bedeutet. Die Agrargenossenschaft Trebbin in Brandenburg, die etwa 900 Milchkühe hält, kämpft derzeit mit erheblichen Einnahmeverlusten. Laut der Geschäftsführerin Jana Gäbert entgehen dem Betrieb wöchentlich rund 26.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Die Kosten für die Milchproduktion werden dadurch nicht mehr gedeckt, was die Frage aufwirft, wie lange dieser Zustand noch tragbar ist.
Herausforderungen in der Milchproduktion
Die Situation ist besonders kritisch, da Milchbetriebe ihre Produktion nicht einfach drosseln können wie andere Industriezweige. Gäbert betont, dass die Kühe weiterhin täglich gemolken werden müssen und ein kurzfristiges Einsparen an den Betriebskosten kaum möglich ist. Zwar könnte der Verkauf von Rindfleisch eine gewisse Entlastung bringen, jedoch würde dies langfristig die Produktionskapazität schmälern und den Wiederaufbau der Herde erschweren.
Kostensenkung kaum realisierbar
Die Möglichkeiten zur Kostensenkung sind begrenzt. An der Fütterung kann nicht gespart werden, da dies negative Auswirkungen auf die Tiergesundheit hätte. Auch ein Wechsel zu einer anderen Molkerei erscheint unattraktiv, da die Preise überall unter Druck stehen. Die Hoffnung bleibt, dass sich die Preise im Sommer oder Herbst erholen werden.
Investitionen trotz Preisverfall
Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen hat die Agrargenossenschaft kürzlich in einen neuen Milchtank investiert. Zuvor musste oft zwischen einem großen und einem kleineren Tank gewechselt werden, was die Einhaltung der Kühltemperatur erschwerte. Der neue Tank verbessert nun die Effizienz und Sicherheit während des Melkvorgangs erheblich.
Anerkennung für Kommunikationsarbeit
Abseits der finanziellen Probleme konnte das Team um Jana Gäbert einen Erfolg bei der Grünen Woche in Berlin verzeichnen: Sie erhielten den Vielfaltspreis der Brandenburger Landwirtschaft in der Kategorie „Kommunikationstalent“. Diese Auszeichnung würdigt ihre Bemühungen um eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz gegenüber den Konsumenten und Verpächtern.
Bedeutung von Transparenz
Die Agrargenossenschaft setzt auf Offenheit, um Vorurteile gegenüber großen landwirtschaftlichen Betrieben abzubauen. Schon vor einem Jahrzehnt begannen sie mit Blühstreifen an den Feldern, um das Bewusstsein für ökologische Maßnahmen zu schärfen. Inzwischen sind Diskussionen über Landwirtschaft allgegenwärtig, und Gäbert betont die Notwendigkeit, aktiv über ihre Arbeit zu informieren und Missverständnisse auszuräumen.
