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Bayer im Glyphosat-Streit: Entscheidung in den USA rückt näher

Die Bayer AG steht in den Vereinigten Staaten vor entscheidenden Wochen. Hintergrund ist die geplante Neuausrichtung der US-Regierung im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, die voraussichtlich im August konkretere Formen annehmen soll. Eine eigens eingesetzte Kommission wird dann neue Vorschläge präsentieren, wie aus Kreisen der US-Agrarwirtschaft berichtet wird.

Sollte es zu Einschränkungen bei der Anwendung von Glyphosat kommen, wären Bayer als Hauptanbieter und die landwirtschaftlichen Betriebe in den USA gleichermaßen betroffen. Für viele amerikanische Landwirte gilt das Mittel als unverzichtbar zur Sicherung ihrer Erträge. Gleichzeitig sieht sich Bayer mit einer Vielzahl von Klagen konfrontiert, in denen ein Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat und gesundheitlichen Problemen hergestellt wird.

Bis zur Veröffentlichung der Vorschläge der Kommission wird mit intensivem Lobbydruck gerechnet. Insbesondere die Landwirtschaft und Unternehmen der Agrarchemie positionieren sich gegen mögliche Auflagen. Auf der anderen Seite stehen politische Akteure wie Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und die von ihm unterstützte Initiative „Make America Healthy Again“ (MAHA), die sich kritisch gegenüber Pflanzenschutzmitteln äußert.

Konzernchef Bill Anderson ist erneut in die USA gereist, um vor Ort auf den politischen Entscheidungsprozess Einfluss zu nehmen. Bereits im Mai hielt er sich mehrere Tage in Washington auf. Der weitere Verlauf dieser Auseinandersetzung dürfte auch den Börsenkurs des Unternehmens beeinflussen, der seit Mitte April deutlich gestiegen ist.

Analysten von Goldman Sachs, HSBC und Kepler Cheuvreux bewerten die Aktie positiv, da sie Fortschritte bei der Lösung der Rechtsstreitigkeiten erwarten. Bayer hatte bisher mehr als zehn Milliarden Euro für Vergleiche und Urteile im Zusammenhang mit Glyphosat aufgewendet.

Ein Kurswechsel der US-Regierung in Bezug auf Glyphosat könnte jedoch neue Risiken mit sich bringen. Im Entwurf des sogenannten MAHA-Berichts werden gesundheitliche Bedenken gegenüber dem Mittel geäußert. Zwar enthalten die aktuellen Formulierungen keine konkreten Verbotsforderungen, doch der politische Druck auf das Produkt bleibt bestehen.

Eine kürzlich veröffentlichte Dokumentation der MAHA-Initiative stellt Glyphosat deutlich in den Mittelpunkt. Der Film warnt vor gesundheitlichen Risiken und kritisiert Bayer direkt. Ein Berater des Weißen Hauses, Calley Means, tritt als Sprecher auf und unterstreicht die Haltung der Organisation. Means gehört zu den Mitbegründern eines Start-ups, das Gesundheitsprodukte vertreibt, was die Debatte zusätzlich auflädt.

Um die Vielzahl der Klagen zu begrenzen, strebt Bayer ein Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten an. Eine Annahme durch das Gericht würde den Ausgang der laufenden Verfahren maßgeblich beeinflussen. Ob es dazu kommt, soll bis Ende Juni entschieden werden.

Zudem arbeitet Bayer daran, durch neue gesetzliche Regelungen die Klagemöglichkeiten auf Bundesstaatenebene einzuschränken. Ziel ist es, die Bewertungen der US-Umweltbehörde EPA als rechtlich verbindlich zu verankern. In zwei Bundesstaaten konnte dieses Vorhaben bereits umgesetzt werden.

Die Auseinandersetzung bleibt politisch aufgeladen. Vertreter der MAHA-Bewegung sprechen sich grundsätzlich gegen eine Vielzahl moderner Technologien in der Landwirtschaft und im Gesundheitswesen aus. Ihr jüngster Film trägt den Titel „Toxic Nation“ und enthält scharfe Kritik auch an alltäglichen Produkten wie Pflanzenölen.

Kritik an der MAHA-Initiative kommt inzwischen auch aus der Landwirtschaft selbst. Über hundert Organisationen, darunter die National Farmers Union, fordern eine stärkere Berücksichtigung wissenschaftlicher Standards und landwirtschaftlicher Praxis. Sie warnen vor negativen Folgen für die Betriebe.

Deutliche Worte findet auch der frühere US-Botschafter bei den UN-Ernährungsorganisationen, Kip Tom. Er wirft der MAHA-Bewegung vor, wirtschaftliche Interessen unter dem Deckmantel von Gesundheitsschutz zu verfolgen. Besonders die Verbindung einzelner Aktivisten zur Vermarktung alternativmedizinischer Produkte wird hinterfragt.

Auch Gesundheitsminister Kennedy bemühte sich zuletzt um Deeskalation. Bei einer Anhörung im US-Kongress betonte er, man wolle keine Maßnahmen einleiten, die das wirtschaftliche Fundament der amerikanischen Landwirtschaft gefährden.

Bayer hingegen hält sich die Option offen, die Produktion von Glyphosat in den USA vollständig einzustellen. Der Konzern verweist auf die hohe Belastung durch Gerichtsverfahren und fehlende rechtliche Sicherheit. Eine solche Entscheidung würde die Abhängigkeit der USA von Importen, vor allem aus China, deutlich erhöhen.

Am Ende könnte es auf eine politische Entscheidung des US-Präsidenten hinauslaufen. Donald Trump hat sich in der Vergangenheit mehrfach als Unterstützer der amerikanischen Landwirte präsentiert. Er wird vermeiden wollen, dass es zu Preissteigerungen bei Lebensmitteln oder einer verstärkten Importabhängigkeit kommt. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die US-Regierung mit der Situation umgehen wird.

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