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Selbstversorgung in Gefahr: Deutschland droht zum Weizen-Importeur zu werden

Deutschlands Fähigkeit, die Bevölkerung aus eigener Landwirtschaft ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen, steht zunehmend unter Druck. Selbst bei Weizen, der hierzulande auf den meisten Ackerflächen angebaut wird, könnte das Land laut einer Untersuchung der HFFA Research GmbH in Zukunft zum Nettoimporteur werden. Die Analyse wurde im Auftrag des Industrieverbandes Agrar (IVA) erstellt. Besonders bei Obst und Gemüse, wo die Abhängigkeit von Importen schon heute hoch ist, dürfte sich diese Entwicklung weiter verstärken.

Nach Angaben der Studie hängt die Versorgungssicherheit eng mit dem Zugang zu Pflanzenschutzmitteln zusammen. Ein deutlicher Rückgang zugelassener Wirkstoffe würde die Importabhängigkeit erhöhen und die Stabilität der Nahrungsmittelproduktion schwächen. In Verbindung mit klimatischen Risiken wie Dürren oder Starkregen wäre die Ernährungssicherheit noch stärker gefährdet.

Für die Untersuchung wurden verschiedene Szenarien berechnet. Sie zeigen, dass sowohl die Klimakrise als auch Einschränkungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln die Selbstversorgung erheblich beeinträchtigen können. Schlechte Erntejahre nehmen zu, und ohne ausreichenden Schutz vor Schaderregern und Unkraut drohen zusätzliche Ertragsverluste.

Laut Studie spielt dabei nicht nur die klimatische Entwicklung eine Rolle, sondern auch die abnehmende Verfügbarkeit chemischer Wirkstoffe. Ohne diese Mittel, die Landwirte bisher zur Ertragssicherung einsetzen, könnten die Selbstversorgungsgrade weiter sinken.

Schon heute deckt Deutschland seinen Bedarf nicht vollständig aus eigener Produktion. Der durchschnittliche Selbstversorgungsgrad liegt bei rund 83 Prozent, was bedeutet, dass etwa jedes sechste landwirtschaftliche Produkt importiert wird. Besonders stark ist die Abhängigkeit bei Obst, Gemüse und Ölsaaten, wo die Eigenproduktion nur 20 bis 37 Prozent des Verbrauchs ausmacht. Jeder zweite Apfel kommt inzwischen aus dem Ausland.

Anders stellt sich die Lage bei Kulturen wie Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Hopfen dar. Hier reicht die Erzeugung bislang noch aus, um neben dem Eigenbedarf auch Exporte bedienen zu können. Doch extreme Wetterereignisse wie Dürre, Starkregen oder ein steigender Schädlingsdruck sorgen für sinkende Erträge. Die Studie rechnet in einzelnen Jahren mit Produktionsrückgängen von durchschnittlich 20 Prozent, bei Obst sogar bis zu 46 Prozent.

Sollten weitere Pflanzenschutzmittel vom Markt verschwinden, könnten auch bei Weizen, Kartoffeln oder Zwiebeln Verluste zwischen 10 und 20 Prozent eintreten. Damit wäre selbst die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wie Weizen nicht mehr dauerhaft gesichert. Ein Rückgang des Selbstversorgungsgrades unter die Marke von 100 Prozent würde bedeuten, dass Deutschland in Zukunft selbst Weizen importieren müsste.

Die Studie empfiehlt, den Pflanzenbau durch Innovationen zu stärken und politische Entscheidungen stärker an der Balance zwischen Ökologie und Versorgungssicherheit auszurichten. Auch eine bessere Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe wird als notwendig angesehen.

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