In Schleswig-Holstein hat die Landesregierung beschlossen, die finanzielle Unterstützung für Landwirte, die durch Wildgänse verursachte Schäden erleiden, erheblich zu erhöhen. Die bereitgestellten Mittel steigen von ursprünglich 350.000 € auf 1,2 Millionen Euro. Gleichzeitig wird die bestehende Gänserichtlinie des Landwirtschaftsministeriums für die Saison 2025/2026 verlängert.
Anpassung der Entschädigungspauschalen
Die Entschädigungspauschalen für Ackerkulturen und Grünland erfahren eine Anpassung und Erweiterung. Neu hinzu kommen Winterroggen und Triticale als förderfähige Ackerfrüchte. Der Bauernverband betont, dass insbesondere bei Dauergrünland und Ackergras eine Erhöhung der Pauschalen von ehemals 56 € pro Hektar beziehungsweise 96 € pro Hektar bei vollständigem Schaden dringend erforderlich war.
Zwei Programme zur Schadenskompensation
Die Landwirte in Schleswig-Holstein haben aktuell zwei Programme zur Verfügung, um Entschädigungen zu beantragen. Das erste Programm, „Wildgansrichtlinie“, wurde unter dem ehemaligen Landwirtschaftsminister Werner Schwarz initiiert und zielt darauf ab, Schäden an Winterfrüchten und Grünland auszugleichen. Seine Bedeutung zeigt sich in den 101 Anträgen, die sich im Jahr 2025 auf rund 2.700 Hektar Fläche erstreckten.
Das zweite Programm ist die „Weißwangengansrichtlinie“ des Umweltministeriums (MEKUN) aus dem Jahr 2023, das Fraßschäden an Sommerfrüchten abdeckt. Allerdings war das Interesse der Landwirte daran bisher gering, was auf notwendige Verbesserungen im Antragsverfahren hinweist.
Erwartungen des Bauernverbandes
Klaus-Peter Lucht vom Bauernverband unterstützt die Verlängerung der Richtlinien und hebt deren Wichtigkeit für betroffene Betriebe hervor. Er betont jedoch auch den Bedarf an weiteren Anpassungen angesichts der regional unterschiedlichen Schadensintensität und der Bestandsentwicklung der Gänsepopulationen. Laut Lucht sollten sowohl das Landwirtschafts- als auch das Umweltministerium Verantwortung für den Naturschutz übernehmen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Lucht fordert zudem vom MEKUN Fortschritte bei der Verbesserung des Gänsemanagements. Eine reine Schadenskompensation sei nicht ausreichend; vielmehr seien präventive Maßnahmen wünschenswert. Für die kommende Saison rechnet der Bauernverband mit einem Anstieg der Anträge über die bisherigen Zahlen hinaus sowie einer Verdreifachung der betroffenen Flächen.
