Die Auswirkungen steigender Mindestlöhne auf die deutsche Landwirtschaft sind erheblich. Landwirte, insbesondere in den Bereichen Obst, Gemüse und Wein, äußern sich besorgt über die wirtschaftliche Zukunft ihrer Betriebe. Der derzeitige gesetzliche Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde soll im kommenden Jahr auf 14,60 Euro steigen, was bei den betroffenen Betrieben zu einer deutlichen wirtschaftlichen Belastung führen könnte.
Politische Debatten um Sonderregelungen
Auf dem Parteitag der CDU wurde der Vorschlag diskutiert, Ausnahmen für Saisonarbeit zu schaffen, um den Betrieben finanzielle Erleichterung zu bieten. Diese Idee stieß bei den Landwirten zunächst auf Zustimmung. Jedoch bleibt es abzuwarten, ob dieser Vorstoß in der Realität umgesetzt werden kann, da die SPD bislang keine Bereitschaft zeigt, solche Ausnahmen mitzutragen.
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), betrachtet die Entscheidung der CDU als einen Schritt in die richtige Richtung. Er betont jedoch, dass noch zahlreiche politische und rechtliche Hürden überwunden werden müssen. Ein früheres Rechtsgutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums ergab keine gesicherte Möglichkeit für Abweichungen vom gesetzlichen Mindestlohn.
SPD lehnt Änderungen ab
Die Position der SPD bleibt unverändert: Sie lehnt jede Form von Einschränkung oder Ausnahme beim Mindestlohn strikt ab. Rukwied fordert daher eine intensivere Einflussnahme innerhalb der Bundesregierung, um ein Gesetz zur Unterstützung der Landwirte auf den Weg zu bringen. Er argumentiert, dass die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Betriebe dringend gestärkt werden muss.
Internationale Vergleichsperspektive
Deutschland gilt als Hochlohnland, besonders im Bereich saisonaler Arbeitskräfte. Während hier 13,90 Euro pro Stunde gezahlt werden müssen, verdienen Arbeiter in Polen nur 6,10 Euro und in Griechenland sogar nur 4,54 Euro pro Stunde. In Chile sind es sogar lediglich 2,50 Euro pro Stunde. Wenn man zusätzlich die hohen Energiepreise in Deutschland betrachtet, werden die Unterschiede bei den Produktionskosten noch deutlicher.
Anhaltende Kontroversen um den Mindestlohn
Trotz zahlreicher Forderungen nach Ausnahmen vom Mindestlohn bleibt der Widerstand groß. Der Bauernverband hatte vorgeschlagen, dass Saisonarbeiter nur 80 % des geltenden Mindestlohns erhalten sollten. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach sich entschieden dagegen aus und betonte das Recht auf einen existenzsichernden Lohn für alle Arbeitskräfte.
Sollte sich an der Haltung der SPD nichts ändern, steht die CDU vor der Herausforderung erheblicher Überzeugungsarbeit. Ohne Einigung droht spätestens Anfang 2027 mit einem weiteren Anstieg des Mindestlohns eine Verschärfung der Situation für viele landwirtschaftliche Betriebe.
