Die Milchpreise in Deutschland befinden sich im freien Fall, während die Kosten für Erzeuger weiterhin hoch bleiben und voraussichtlich noch weiter steigen werden. Besonders in Ostdeutschland stellt dies viele Milchviehbetriebe vor erhebliche Herausforderungen. Die Auszahlungen der Molkereien liegen mittlerweile unter den Produktionskosten, was zu erheblichen finanziellen Verlusten bei den Landwirten führt.
Anstieg der Milchanlieferung und sinkende Preise
Im zweiten Halbjahr 2025 stieg die Milchanlieferung an deutsche Molkereien im Vergleich zum Vorjahr an. Dies führte zu einem Rückgang der Auszahlungspreise. Verantwortlich dafür sind verschiedene Faktoren wie verspätete Abkalbungen aufgrund der Blauzungenkrankheit, gute Grundfutterqualitäten sowie ein vergleichsweise milder Sommer. Auch höhere Fettgehalte in der Milch spielten eine Rolle. Diese Entwicklungen nutzte der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) für Preissenkungen bei Produkten wie Butter.
Finanzielle Belastung bei Agrargenossenschaften
Die sächsische Agrargenossenschaft Langenchursdorf eG bei Chemnitz verzeichnete seit September 2025 einen Verlust von etwa 95.000 Euro aufgrund des sinkenden Milchpreises. Der Vorstandsvorsitzende Rainer Stauch berichtete, dass der Preis im Oktober 2025 noch bei 49,20 Cent pro Kilogramm lag, jedoch bis Dezember auf 44,54 Cent fiel. Für das Jahr 2026 wird ein weiterer Rückgang auf durchschnittlich 38 Cent erwartet, was einen Einkommensverlust von über einer Million Euro bedeuten könnte.
Kostensteigerungen und Anpassungsbedarf
Laut Stauch werden die Lohnkosten im Jahr 2026 um etwa 1,5 Cent pro Kilogramm Milch steigen, während sich die Kosten für Kraftfutter voraussichtlich etwas verringern könnten. Der Sockellohn des Betriebs liegt zwar über dem Mindestlohn, aber dessen Erhöhung erfordert Anpassungen innerhalb des Unternehmens. Eine langfristige Lösung wird in einer Kopplung des Mindestlohns an Facharbeiterstandards gesehen.
Zukunftsperspektiven trotz Preistief
Stefan Neumann von der Landwirtschaftsberatung Koesling Anderson prognostiziert für das Frühjahr 2026 Milchpreise zwischen 35 und 40 Cent pro Kilogramm für seine Kunden in Mecklenburg-Vorpommern und anderen ostdeutschen Ländern. Die Gewinnschwelle liegt jedoch im Durchschnitt bei 41 Cent. Die Landwirte reagieren auf die Preisentwicklung mit strenger Kostenkontrolle und Verschiebung von Investitionen.
Biomilchmarkt unter Druck
Auch Biomilcherzeuger stehen unter Druck: Die Preise sind zwar höher als für konventionelle Milch, decken jedoch nicht alle Kosten ab. Matthias Baumann aus Südthüringen berichtet von steigenden Anforderungen durch politische Auflagen wie Weidepflichten und höheren Biokraftfutterpreisen, die zusätzliche Belastungen darstellen.
Kostentreiber Weidepflicht und bürokratische Hürden
Die Einführung der Weidepflicht durch Brüssel stellt viele Biobetriebe vor erhebliche zeitliche und personelle Herausforderungen. Trotz hoher Haltungsstandards müssen Betriebe wie das Ökozentrum Werratal/Thüringen GmbH mit zusätzlichen bürokratischen Anforderungen zurechtkommen. Der Fachkräftemangel und klimatische Herausforderungen wie Trockenheit verschärfen die Situation weiter.
