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Schweizer Milchkrise: Bauern protestieren gegen Importe und hohe Preise

Die aktuelle Lage auf dem Schweizer Milchmarkt ist angespannt: Trotz eines Überangebots bleiben die Milchpreise hoch, was zu einem erheblichen logistischen und wirtschaftlichen Dilemma führt. Viele Landwirte sehen sich gezwungen, ihre überschüssige Milch zu entsorgen, da Molkereien die Annahme begrenzen.

Importe verschärfen die Situation

In dieser prekären Lage sorgt der Import von Milchprodukten aus dem Ausland für zusätzliche Kontroversen. Besonders der amerikanische Schokoladenhersteller Mondelez, bekannt für seine Produktion in Bern, zieht Kritik auf sich. Das Unternehmen plant, große Mengen an Butter zu importieren, was bei den heimischen Milchproduzenten auf Unverständnis stößt.

Heinz Siegenthaler, ein prominenter Landwirt und Präsident des Bäuerlichen Zentrums Schweiz, äußerte seine Empörung über die Importe. Um seinen Protest zu verdeutlichen, entleerte er symbolisch Milchkannen vor dem Werkstor von Mondelez. Aufgrund der aktuellen Marktsituation musste auch er bereits Milch vernichten.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Kritik

Laut dem Schweizer Fernsehen SRF nutzt Mondelez den sogenannten „Veredelungsverkehr“, um die benötigten Rohstoffe zu beschaffen. Dies ermöglicht es Unternehmen, unter bestimmten Bedingungen zollfrei Produkte einzuführen. Im zweiten Halbjahr 2025 genehmigte die Schweiz den Import von stolzen 7 Millionen Kilogramm Milch und fast 1,9 Millionen Kilogramm Milchpulver.

Der Ökonom Mathias Binswanger von der Fachhochschule Nordwestschweiz fordert eine Überprüfung dieser Praktiken. Seiner Ansicht nach sollten solche Importe nur erlaubt werden, wenn es im Inland einen tatsächlichen Mangel an Rohstoffen gibt – was derzeit nicht der Fall ist.

Wirtschaftliche Perspektiven und Preisproblematik

Die Denkfabrik Avenir Suisse betrachtet die hohen Preise für Schweizer Milch als Nachteil für lokale Schokoladenhersteller. Ihrer Meinung nach könnten geringe Margen dazu führen, dass Unternehmen ihre Investitionen ins Ausland verlagern, was langfristig auch den Bauern schadet.

Trotz des Überangebots sinken die Preise nicht im erwarteten Maße. Ein Sprecher erklärte, dass normalerweise ein Preisrückgang einen höheren Verbrauch und damit eine Reduzierung des Überschusses bewirken würde. Um diesem Trend entgegenzuwirken, senkte die Branchenorganisation Milch im Dezember 2025 den Preis für A-Milch um 4,4 Cent auf 85 Cent pro Kilogramm.