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Green Deal gescheitert: DLG-Präsident fordert radikalen Neustart

Auf der diesjährigen DLG-Wintertagung in Hannover äußerte sich Präsident Hubertus Paetow kritisch zu aktuellen Entwicklungen in der Landwirtschaft und der Wirtschaft im Allgemeinen. Er hob hervor, dass niedrige Preise und hohe Kosten die Landwirtschaft belasten, während die wirtschaftliche Stagnation und Abwanderung in der Industrie zusätzliche Herausforderungen darstellen. Auch die Unsicherheiten in Energieversorgung und Sozialsystemen tragen zur derzeitigen Krisenstimmung bei.

Green Deal unter Beschuss

Paetow stellte den Green Deal der EU als gescheitert dar. Nach seiner Einschätzung habe die Politik starre Zielvorgaben aus guten Ideen entwickelt, was insbesondere den Agrarsektor betrifft. Dazu gehören unter anderem 30 % Ökolandbau, eine Halbierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes und die Bereitstellung von 10 % der Fläche für Naturwiederherstellung.

Er kritisierte, dass strukturierte Papiere allein nicht ausreichen, um Zukunftsfähigkeit zu schaffen. Es fehle eine klare Vorstellung davon, wie diese Ziele unter realen Bedingungen erreicht werden sollen. Zudem sei eine regelmäßige Überprüfung notwendig, um sicherzustellen, dass die Vorgaben noch zur Strategie passen.

Notwendiger Neustart des Green Deals

Paetow forderte einen kompletten Neustart des Green Deals. Obwohl das Projekt nicht aufgegeben werden sollte, müsse es als gescheitert anerkannt werden, um Platz für neue Ansätze zu schaffen. Er sieht jedoch positive Zeichen für einen solchen Neustart im aktuellen Jahr, da sich der gesellschaftliche Diskurs über Wirtschaft und Landwirtschaft konstruktiv verändert habe.

  • Die Gesellschaft verlange weiterhin nach Tierwohl sowie Umwelt- und Klimaschutz.
  • Es herrsche ein zunehmendes Verständnis für die Notwendigkeit wirtschaftlich stabiler Betriebe.
  • Ein neuer Stellenwert werde der Ernährungssicherung beigemessen.

Kritik an politischem Fortschritt

Laut Paetow ist die größte Hürde der politische Prozess selbst. Entscheidungen würden in kleinen Schritten getroffen und seien oft von Einschränkungen begleitet. Jede Stakeholdergruppe habe eigene Bedenken gegenüber grundlegenden Veränderungen, wodurch Reformen verzögert werden.

Er bemängelte zudem, dass Regulierungen oft zu einer Vielzahl an Detailvorschriften führen, anstatt klare Rahmenbedingungen zu schaffen.

Bedeutung von Produktivitätssteigerung

Paetow betonte erneut seine Überzeugung, dass Produktivitätssteigerung der Schlüssel zum gesellschaftlichen Fortschritt sei. Ohne diese gäbe es keinen Wohlstand oder finanziellen Spielraum für Investitionen in Klima- und Umweltschutz.

  • Produktivitätssteigerung bedeute mehr Wertschöpfung pro Hektar oder Tier bei gleichzeitig höherem Umwelt- und Klimaschutz.
  • Eine solide Bewertung aller Produktionsfaktoren sei notwendig.
  • Das Wachstum der deutschen Nahrungsmittelproduktion müsse fortgesetzt werden.

Letztendlich gehe es nicht darum, immer größer zu werden, sondern klüger zu wirtschaften – mit moderner Technik und neuen Kooperationsformen.

Zukunft durch Digitalisierung und KI

Die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sieht Paetow als entscheidende Faktoren für den Fortschritt in der Landwirtschaft. Themen wie Dateneigentum und die Vermeidung neuer Abhängigkeiten von Großanbietern stünden auf der Agenda der Wintertagung.

Abschließend appellierte er an die Mitglieder, die Zukunft der Landwirtschaft aktiv mitzugestalten und nicht anderen zu überlassen. Die Praxis nachhaltiger Produktivitätssteigerung solle auf dem Feld genauso umgesetzt werden wie im Stall oder im Energiemanagement.

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