Die europäische Schweinefleischbranche steht derzeit unter erheblichem Druck, da die Preise für Schlachtschweine seit Herbst 2025 um knapp 20 Prozent gesunken sind. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer reagierte auf diese Krise und berief einen Krisengipfel für den morgigen Mittwoch in Berlin ein. Dennoch entschieden die EU-Agrarminister kürzlich in Brüssel, dass vorerst keine kurzfristigen Maßnahmen zur Unterstützung der Schweinehalter zu erwarten sind.
EU-Kommission bleibt untätig
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen äußerte sich ablehnend gegenüber der Einführung außergewöhnlicher Maßnahmen zur Stabilisierung des Marktes. Überraschenderweise fand diese Haltung Unterstützung durch Bundeslandwirtschaftsminister Rainer, der als einziger Agrarminister der EU gegen eine Krisenhilfe stimmte. Im Gegensatz dazu sprachen sich Länder wie Belgien und Frankreich dafür aus, die Situation weiter zu beobachten.
Rumänien fordert Hilfe
Rumänien brachte die Problematik auf die Tagesordnung des Agrarministertreffens und wies darauf hin, dass die Preise für Schlachtschweine im Dezember 2025 fast 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen. Laut Florin-Ionut Barbu, dem rumänischen Landwirtschaftsminister, verlieren Landwirte aktuell pro Schwein zwischen 35 und 40 Euro. Unterstützung erhielt Rumänien dabei von Ungarn, Polen, der Slowakei und Malta.
Ursachen für den Preisverfall
Länder wie Rumänien machen mehrere Faktoren für die niedrigen Preise verantwortlich: Die Einfuhrzölle Chinas auf EU-Schweinefleisch, Handelsrestriktionen aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und das Ignorieren von Regionalisierungsbestimmungen durch einige Handelspartner. Ohne spezifische Maßnahmen der EU-Kommission sehen diese Staaten keine Chance auf eine baldige Erholung des Marktes.
Anzeichen einer Stabilisierung?
Agrarkommissar Hansen sieht jedoch erste Anzeichen einer Stabilisierung. Er verwies auf einen leichten Preisanstieg in Deutschland am 18. Februar 2026, wo der Vereinigungspreis für Schlachtschweine um 5 Cent auf 1,5 Euro/kg stieg. Die Überkapazitäten an schlachtreifen Schweinen scheinen laut der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) weitgehend abgebaut zu sein.
Krisenhilfe bleibt aus
Trotz dieser Entwicklungen ist Hansen der Meinung, dass die aktuelle Marktlage keine außergewöhnlichen Maßnahmen gemäß Artikel 219 der EU-Verordnung über die gemeinsame Marktorganisation rechtfertigt. Die Diskussion um mögliche Unterstützungen spaltet somit weiterhin die Mitgliedsstaaten der EU.
