Feldroboter erobern deutsche Äcker – und 2025 ist das Jahr, in dem sich erstmals zeigt, wer es wirklich mit dem Traktor aufnehmen kann. Auf der Agritechnica in Hannover präsentierten Hersteller wie AgXeed, Fendt und Naïo Technologies ihre neuesten Modelle. Der Markt für autonome Agrarroboter wächst rasant: Prognosen beziffern das Volumen auf über 8 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr, bis 2032 sollen es mehr als 26 Milliarden werden. Zwischen 2025 und 2026 fließen schätzungsweise 4,5 Milliarden Euro an Fördermitteln in Farmautomatisierung und Robotik.
Doch welcher Feldroboter taugt für welchen Betrieb? Und wo liegen die Grenzen der Technik? Ein Überblick über die fünf wichtigsten Maschinen, die 2025 auf den Feldern unterwegs sind.
AgXeed AgBot T2: Der Traktor-Ersatz aus den Niederlanden
Kein anderer Feldroboter polarisiert die Branche so sehr wie der AgBot von AgXeed. Das niederländische Unternehmen, an dem sowohl Claas als auch Amazone finanziell beteiligt sind, hat mit dem neuen AgBot T2 7 Series auf der Agritechnica 2025 ein Ausrufezeichen gesetzt. Die Maschine wurde in der Kategorie „TotyBot“ zum „Tractor of the Year“ gewählt.
Was den AgBot von der Konkurrenz abhebt: Er will kein Nischenprodukt sein. Mit 230 PS, einem dieselelektrischen Antrieb und gut acht Tonnen Gewicht ist die Raupenmaschine als direkter Konkurrent zum Standardtraktor konzipiert. Bodenbearbeitung, Saatbettbereitung, Aussaat, Stoppelbearbeitung, Mulchen – all das erledigt der AgBot vollautomatisch. Kurz vor Weihnachten 2025 bewies die Maschine in der Uckermark, was sie kann: 80 Hektar in nur 20 Stunden, in Kombination mit einer Väderstad Carrier XL 625 Scheibenegge. Arbeitsgeschwindigkeit: 9 bis 12 km/h. Durch die Nacht. Ohne Fahrer.
Die Planung läuft über das digitale Portal TraXwise. Feldgrenzen werden vorab per RTK-GNSS vermessen, innere Hindernisse wie Bäume oder Gewässer einprogrammiert. Geofencing, Hinderniserkennung per 360°-Laserscanner, Radar- und Ultraschallsensoren sichern den Betrieb ab. Alexander von Meer, Landwirt aus Euskirchen mit 900 Hektar, war 2024 einer der ersten deutschen Käufer. Sein Urteil: Die Maschine funktioniert – aber Störungen quittiert der Roboter bislang einfach mit einem Stopp.
| Merkmal | AgXeed AgBot T2 7 Series |
|---|---|
| Leistung | 230 PS (169 kW) |
| Antrieb | Dieselelektrisch, Raupenfahrwerk |
| Gewicht | ca. 8 t |
| Hubkraft Heck | 9 t |
| Hydraulikleistung | bis 170 l/min |
| Spurbreite | 1,5 – 3,2 m einstellbar |
| Betriebsdauer | bis 20 h mit einer Tankfüllung |
| Preis (Raupenversion) | ca. 310.000 – 325.000 € |
Neben dem Raupenmodell bietet AgXeed eine Dreirad-Schmalspurversion und ein Vierrad-Modell mit 55 kW an. Letzteres kostet deutlich weniger, richtet sich aber an Betriebe mit leichteren Aufgaben.
FarmDroid FD20: Solarbetrieben durch die Zuckerrüben
Ganz anders der Ansatz des dänischen Herstellers FarmDroid. Der FD20 wiegt nur 1.250 Kilogramm, wird komplett von vier Solarmodulen angetrieben und arbeitet CO₂-neutral. Seine Stärke: Präzision statt Zugkraft.
Der FarmDroid sät und hackt. Per RTK-GPS markiert er die Position jeder einzelnen Pflanze bei der Aussaat – auf 8 Millimeter genau. Beim späteren Hacken weiß die Maschine deshalb exakt, wo Nutzpflanze und wo Unkraut steht. Das funktioniert sowohl zwischen den Reihen als auch innerhalb der Reihe, also direkt an der Pflanze. Bis zu 50 verschiedene Kulturen kann der FD20 bearbeiten, darunter Zuckerrüben, Zwiebeln, Spinat und Kohl.
Die Geschwindigkeit ist bescheiden: 950 Meter pro Stunde. Dafür arbeitet die Maschine bis zu 24 Stunden am Tag und schafft in dieser Zeit rund 6,5 Hektar. Für Biobetriebe, die bislang von Hand jäten, rechnet der Hersteller mit einer Amortisationszeit von nur einem Jahr. Der Neupreis liegt bei rund 52.000 Euro aufwärts, je nach Konfiguration. Eine Mietoption gibt es ebenfalls. In Bayern ist der FD20 über das Förderprogramm BaySL Digital förderfähig.
| Merkmal | FarmDroid FD20 |
|---|---|
| Antrieb | Vollelektrisch, solarbetrieben |
| Gewicht | 1.250 kg |
| Geschwindigkeit | 0,95 km/h |
| Flächenleistung | bis 6,5 ha/Tag |
| Funktionen | Säen + Hacken (in und zwischen Reihen) |
| Genauigkeit | 8 mm (RTK-GPS) |
| Betriebsdauer | 18–24 h/Tag |
| Preis | ab ca. 52.000 € |
Fendt Xaver: Die Projektstudie wird konkreter
Fendt zeigte auf der Agritechnica 2025 eine weiterentwickelte Projektstudie des Fendt Xaver – und der Name ist Programm. Der autonome Geräteträger orientiert sich am legendären Fendt GT und ist für Gemüsebaubetriebe mit vielen Pflegearbeiten gedacht.
Mit nur drei Tonnen Gewicht verteilt der Xaver seine Last gleichmäßig auf alle Räder. Zwei Anbauräume – Zwischenachs und Heck – erlauben gleichzeitiges Hacken und Striegeln. Der Radstand beträgt 3,40 Meter, alle Räder sind gelenkt. Die Spurweite lässt sich zwischen 1,50 und 2,25 Meter einstellen. Zwischenachs- und Heckkraftheber stemmen jeweils zwei Tonnen, das Mittelachshubwerk ist seitlich verschiebbar und über eine Kamera (RowPilot) steuerbar.
Noch ist der Xaver kein Serienprodukt. Fendt positioniert ihn als „(K)einmann-System“ – also als Maschine, die autonom arbeitet, aber noch keinen festen Markteinführungstermin hat. Parallel bietet Fendt mit dem System OutRun, entwickelt von PTx Trimble, bereits eine Lösung an, die den bestehenden 800er-Traktor autonom über den Acker steuern kann. Allerdings zunächst nur für den amerikanischen Markt.
Naïo Technologies: Vier Roboter für vier Einsatzbereiche
Das französische Unternehmen Naïo Technologies, gegründet 2011, hat sich mit einer ganzen Flotte positioniert. Vier Modelle decken unterschiedliche Einsatzbereiche ab – vom kleinen Gemüsebeet bis zum Weinberg.
Der Orio ist das Flaggschiff für Reihenkulturen und Gemüsebau. Mit 20 kW Antriebsleistung und einer Arbeitsbreite von bis zu drei Metern schafft er bis zu 10 Hektar am Tag. Seine Navigation kombiniert RTK-GPS mit einem 3D-LiDAR-Sensor und einer kameragesteuerten Seitenverschiebung – selbst bei krummen Reihen bleibt das Werkzeug in der Spur. Geräte werden über eine Standard-Dreipunktaufnahme angebaut: Sämaschinen, Striegel, Hackgeräte von Herstellern wie Stanhay, Treffler oder KULT.
Daneben gibt es den kleinen Oz für Gärtnereien und Baumschulen (bis 8 Stunden Akkulaufzeit), den Raupenroboter Jo für steile Hanglagen und enge Rebanlagen sowie den Ted, den einzigen wirklich autonomen Überzeilenroboter für den Weinbau. Ted bekämpft Unkraut mechanisch, kann Rebschosse entfernen und sammelt über integrierte Sensoren Daten zur Pflanzengesundheit. Naïo vertreibt seine Roboter in über 48 Ländern, in Deutschland unter anderem über BayWa.
| Modell | Einsatzbereich | Antrieb | Tagesleistung |
|---|---|---|---|
| Naïo Orio | Reihenkulturen, Gemüse | Elektrisch, 20 kW | bis 10 ha |
| Naïo Oz | Gärtnerei, Baumschule | Elektrisch, Akku | ca. 8 h Betrieb |
| Naïo Jo | Steile Weinberge, Reben | Elektrisch, Raupe | variabel |
| Naïo Ted | Weinbau (Überzeilenroboter) | Elektrisch | bis 5 ha |
John Deere: Der Riese wartet noch
Und wo bleibt John Deere? Der Weltmarktführer zeigte bereits 2022 auf der CES in Las Vegas einen serienreifen autonomen 8R-Traktor mit 410 PS. Sechs Stereo-Kamerapaare, 360-Grad-Überwachung, KI-gestützte Hinderniserkennung – technisch beeindruckend. Doch in Europa ist die Maschine bis heute nicht verfügbar. Der Grund: ungeklärte Haftungsfragen und fehlende regulatorische Rahmenbedingungen für autonome Arbeitsmaschinen.
Auf der CES 2025 legte John Deere nach. Neben einem verbesserten Autonomiepaket der zweiten Generation für den 9RX präsentierte das Unternehmen einen vollelektrischen Traktor-Prototypen mit 130 PS Dauerleistung und einem Akku aus eigener Produktion (196 kWh). Markteinführung: voraussichtlich 2026, zunächst als Schmalspurtraktor für den Sonderkulturbau. Ob Europa dabei ist, bleibt offen.
Wo die Technik an Grenzen stößt
Die Agritechnica 2025 machte eines deutlich: Feldroboter funktionieren – aber sie sind kein Plug-and-Play-Produkt. Feldgrenzen müssen exakt vermessen werden. Innere Hindernisse müssen kartiert sein. Werkzeugwechsel sind aufwendig, weshalb viele Roboter in der Praxis eine Kultur die ganze Saison über bearbeiten, statt zwischen verschiedenen Aufgaben zu wechseln. Und wenn etwas schiefgeht, hält die Maschine an und wartet auf den Menschen.
Auch die Geschwindigkeit trennt die Systeme: Leichte Hackroboter wie der FarmDroid oder die Naïo-Modelle bewegen sich mit 1 bis 5 km/h – sie gleichen das durch ihren 24-Stunden-Betrieb aus. Der AgXeed AgBot dagegen arbeitet mit Traktor-Geschwindigkeiten, braucht dafür aber Diesel und ist mit über 300.000 Euro eine Investition, die sich vor allem auf Großbetrieben rechnet.
Die Rechtslage bleibt das größte Hemmnis. Deutschland hat 2021 zwar ein Gesetz zum autonomen Fahren verabschiedet, doch es zielt auf Pkw und Nutzfahrzeuge, nicht auf Feldmaschinen. Wer haftet bei einem Unfall? Darf der Landwirt das Feld verlassen, während der Roboter arbeitet? Für den AgBot gibt es bereits Zulassungen für unbeaufsichtigten Betrieb auf dem Feld. Für autonome Großtraktoren von John Deere oder Fendt gelten strengere Anforderungen.
Feldroboter-Markt 2025: Die wichtigsten Modelle im Vergleich
| Kriterium | AgXeed AgBot T2 | FarmDroid FD20 | Fendt Xaver | Naïo Orio |
|---|---|---|---|---|
| Leistung | 230 PS | Solar (1,6 kWh) | k.A. (Studie) | 20 kW |
| Gewicht | 8 t | 1,25 t | 3 t | k.A. |
| Haupteinsatz | Bodenbearbeitung, Aussaat | Säen, Hacken | Gemüsebau-Pflege | Reihenkulturen |
| Autonomie | Vollautonoom, 20 h | Vollautonoom, 24 h | Vollautonoom (geplant) | Vollautonoom, ganztägig |
| Verfügbarkeit | Seit 2023 im Markt | Seit mehreren Jahren | Projektstudie | Im Handel |
| Preis | ab ca. 310.000 € | ab ca. 52.000 € | k.A. | Auf Anfrage |





