In der europäischen Landwirtschaft hält die Diskussion über den Grenzausgleichsmechanismus für Kohlenstoffemissionen (CBAM) an, insbesondere mit Blick auf die Versorgung mit Stickstoffdüngern. Die EU-Verbände der Bauern und ländlicher Genossenschaften, Copa und Cogeca, haben Bedenken geäußert, dass ein deutliches Absinken der Düngemittelimporte die Branche unter Druck setzen könnte. Diese Entwicklung könnte nach ihrer Einschätzung eine neue landwirtschaftliche Krise in der EU auslösen.
Starker Rückgang bei Stickstoffdünger-Importen
Laut Daten der EU-Kommission sind die Importe von Stickstoffdünger im Januar 2026 drastisch gesunken. Während im Vergleich zum Vorjahr nur 190.495 Tonnen importiert wurden, lag dieser Wert im Januar 2025 bei rund 1,18 Millionen Tonnen. Dennoch sieht die Vereinigung Fertilizers Europe keinen Grund zur Besorgnis, da viele Importeure ihre Lagerbestände bereits vor Einführung des CBAM aufgefüllt hätten.
Vorratshaltung als Reaktion auf bevorstehende Änderungen
Zahlen der EU-Kommission belegen diese Sichtweise: Im Dezember 2025 stiegen die Düngemittelimporte auf einen Rekordwert von etwa 2,53 Millionen Tonnen. Dies war das höchste Monatsvolumen seit Beginn vergleichbarer Erhebungen im Jahr 2014. Insgesamt wurden im Jahr 2025 etwa 28,06 Millionen Tonnen Düngemittel in die EU eingeführt, was auf eine strategische Vorratshaltung hindeutet.
Preisentwicklung bleibt abzuwarten
Copa und Cogeca zeigen sich indes besorgt über mögliche Preissteigerungen bei Düngemitteln, die zwischen 15 und 30 Prozent der Produktionskosten in der Landwirtschaft ausmachen können. Ein weiterer Anstieg könnte laut den Verbänden zu erheblichen Schwierigkeiten für Landwirte führen. Sie drängen daher darauf, dass die EU-Kommission den CBAM vorläufig aussetzt.
Allerdings zeigen erste Beobachtungen, dass der Mechanismus bislang nur geringe Auswirkungen auf die Preise hatte. So stieg der Preis für Stickstoffdünger um lediglich 8 Euro pro Tonne auf insgesamt 405 Euro, während andere Düngersorten stabile oder sogar leicht sinkende Preise verzeichneten.
Marktunsicherheiten durch politische Diskussionen
Fertilizers Europe argumentiert dagegen, dass Turbulenzen am Markt weniger dem CBAM selbst geschuldet seien als vielmehr Unsicherheiten durch politische Debatten um dessen Aussetzung. Solche Unsicherheiten könnten den Markt destabilisieren und zu unvorhersehbaren Entwicklungen führen.
Anpassungen zur Abfederung von Kosten
Mit Blick auf Bedenken seitens der Landwirte hat die EU-Kommission bereits Maßnahmen ergriffen und bestimmte Gebühren reduziert. Zudem plant Handelskommissar Maroš Šefčovič weitere Zollsenkungen auf Ammoniak und Harnstoff, um Preissteigerungen entgegenzuwirken.
Weitere Branchen betroffen
Neben Düngemitteln betrifft der CBAM auch andere Industrien wie Stahl und Zement. Seit Anfang Januar müssen Unternehmen für diese Warengruppen CBAM-Zertifikate erwerben, um sicherzustellen, dass Emissionen ähnlich wie in der EU bepreist werden. Die Einnahmen hieraus sollen als Eigenmittel in den EU-Haushalt fließen.
