Australien strebt in den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union nach einer deutlichen Erhöhung der Importquoten für Fleischprodukte. Dabei könnte vor allem die australische Landwirtschaft von zollfreien Exporten profitieren, insbesondere im Bereich Getreide.
Deutliche Erhöhung der Rindfleischquote gefordert
Der australische Fleischindustrieverband (AMIC) und Meat and Livestock Australia (MLA) fordern eine drastische Erhöhung der zollfreien Einfuhr von Rindfleisch in die EU auf mindestens 50.000 Tonnen. Dies wäre eine Steigerung von etwa 1475 Prozent gegenüber den aktuellen Quoten. Auch bei Schaf- und Ziegenfleisch will Australien die Einfuhrmengen auf 67.000 Tonnen erhöhen, was einem Anstieg von ungefähr 1145 Prozent entspräche.
Momentan sind lediglich 3.389 Tonnen Rindfleisch und 5.851 Tonnen Schaf- und Ziegenfleisch für den zollfreien Import in die EU vorgesehen. Die australische Fleischbranche fühlt sich durch die höheren Quoten, die anderen Ländern wie den Mercosurstaaten und Kanada eingeräumt werden, benachteiligt. Branchenvertreter betonen, dass der Zugang zum EU-Markt seit Jahrzehnten unverändert sei und durch den Brexit sogar verschlechtert wurde.
EU zeigt sich kompromissbereit
Die EU hat signalisiert, bereit zu sein, die Importquote für australisches Rindfleisch auf bis zu 30.000 Tonnen zu erhöhen, was immer noch eine Steigerung von 885 Prozent wäre. Ob diese Zugeständnisse ausreichen werden, bleibt abzuwarten. Die Verhandlungen haben bereits Fortschritte gemacht, jedoch stehen noch offene Fragen zur Diskussion – darunter auch die gegenseitige Anerkennung geografischer Herkunftsangaben.
Die Gespräche zwischen der EU-Kommission und der australischen Regierung verlaufen konstruktiv, dennoch ist eine endgültige Einigung noch nicht erzielt worden. Bereits im Jahr 2023 scheiterte ein Abkommen im letzten Moment an den Forderungen Australiens nach höheren zollfreien Kontingenten.
Agrarhandel sieht Chancen für Getreideexporte
Der deutsche Agrarhandel drängt auf einen schnellen Abschluss des Freihandelsabkommens mit Australien. Hohe Zölle auf verarbeitete Getreideprodukte erschweren derzeit den Export aus Deutschland erheblich. Ein solches Abkommen könnte neue Märkte für deutsche Qualitätsprodukte öffnen und bestehende Handelshemmnisse abbauen.
Laut Handelsangaben importiert die EU jährlich rund 2,1 Millionen Tonnen Getreide, Ölsaaten und Hülsenfrüchte aus Australien im Wert von etwa 700 Millionen Euro. Besonders bemerkenswert ist dabei der Anteil des australischen Rapses (Canola), der hauptsächlich zur Biodieselproduktion in die EU eingeführt wird.
Kritik an möglichen Marktdestabilisierungen
Trotz potenzieller Vorteile warnt die europäische Dachorganisation der Bauernverbände und Genossenschaften (Copa/Cogeca) vor negativen Auswirkungen zollfreier Importquoten auf den europäischen Agrarmarkt. Sie argumentiert, dass das Ungleichgewicht zwischen dem relativ kleinen australischen Markt von 28 Millionen Konsumenten und dem großen europäischen Markt mit rund 450 Millionen Verbrauchern berücksichtigt werden muss.
Copa/Cogeca fordert daher ein ausgewogenes Verhandlungsergebnis, das sowohl Vorteile für beide Seiten bietet als auch die Märkte stabil hält.
