Die jüngste Entscheidung der Europäischen Union, den Verkauf und die Verwendung des Pflanzenschutzmittels Flufenacet bis Ende 2026 zu erlauben, stößt auf erheblichen Widerstand. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bezeichnet diese Erlaubnis als rechtswidrig und hat nun gemeinsam mit dem Pestizid-Aktions-Netzwerk PAN Europe eine Klage beim Europäischen Gericht eingereicht. Sie argumentieren, dass es sich bei Flufenacet um eine sogenannte „Ewigkeitschemikalie“ handelt.
Klage gegen verlängerte Abverkaufsfrist
Der Hintergrund der rechtlichen Schritte ist die von der EU-Kommission gewährte 18-monatige Frist für den Abverkauf und die Nutzung von Flufenacet. Diese Frist wurde eingeräumt, obwohl die Kommission die Genehmigung des Herbizids aufgrund erheblicher Umwelt- und Gesundheitsrisiken bereits im Juni 2025 nicht erneuert hat. Laut DUH sollte das vorsorgliche Prinzip der EU ohne Verzögerung zur Anwendung kommen, wenn eine Fachbehörde erhebliche Gefahren bestätigt.
Sofortiges Verbot gefordert
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, äußerte scharfe Kritik an den Übergangsfristen für Flufenacet. Er betonte, dass solche Fristen nicht zulässig seien, wenn wissenschaftliche Berichte wie jener der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) klare Risiken aufzeigen. Resch weist darauf hin, dass der Wirkstoff möglicherweise negative Auswirkungen auf das Hormonsystem des Menschen hat und verweist auf die Bildung von Trifluoressigsäure (TFA) im Grundwasser als bedenkliches Abbauprodukt.
Umweltauswirkungen und Vorsorgeprinzip
Die Klage stützt sich darauf, dass durch die Nutzung des Herbizids hohe Mengen der langlebigen TFA in das Grundwasser gelangen könnten. Diese Substanz wird als besonders problematisch eingestuft, da sie sich nur schwer abbaut und langfristig in der Umwelt verbleibt. Die Kläger sind der Meinung, dass die gewährte Abverkaufsfrist dem Vorsorgeprinzip widerspricht, zu dessen Einhaltung sich die EU verpflichtet hat.
Die Auseinandersetzung um Flufenacet wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in Europa. Kritiker fordern strengere Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit und sehen in der aktuellen Praxis einen deutlichen Nachholbedarf bei der Umsetzung präventiver Umweltpolitik.
