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EU-Kommission will Zölle auf Stickstoffdünger für ein Jahr aussetzen

Die Europäische Kommission plant, Zölle und CO2-Importsteuern auf bestimmte Stickstoffdünger und deren Vorprodukte wie Ammoniak und Harnstoff für ein Jahr auszusetzen. Diese Maßnahme könnte den europäischen Landwirten ermöglichen, diese Düngemittel kostengünstiger zu erwerben. Nach Schätzungen der Kommission könnten dadurch etwa 60 Millionen Euro an Einfuhrzöllen eingespart werden.

Zollaussetzung mit Einschränkungen

Laut der Europäischen Kommission betrifft die Aussetzung der Zölle alle Länder mit Ausnahme von Russland und Belarus. Der Handel mit Russland ist seit dem Vorjahr durch hohe Zölle stark eingeschränkt, was die Importe aus diesem Land zum Stillstand gebracht hat. Im Januar verzeichneten die Stickstoffdüngerimporte in die EU einen drastischen Rückgang auf lediglich 179.877 Tonnen, was weniger als 16 % des Vorjahreswerts entspricht.

Herausforderungen durch den CO₂-Grenzausgleich

Der CO₂-Grenzausgleich (CBAM) ist ein weiterer Faktor, der ab 2026 für Düngerimporte relevant wird. Dieses Instrument soll sicherstellen, dass importierte Produkte denselben CO₂-Bepreisungen unterliegen wie innerhalb der EU hergestellte Waren. Ziel ist es, europäische Hersteller vor günstigeren ausländischen Importen zu schützen und das Abwandern von Produktionsstätten ins Ausland zu verhindern.

Steigende Kosten belasten Landwirte

Die Verknappung und Verteuerung von Stickstoffdünger in Europa hat die Produktionskosten der Landwirte erheblich erhöht. Laut dem Genossenschaftsverband Copa/Cogeca machen Düngerkosten zwischen 15 % und 30 % der Gesamtkosten eines landwirtschaftlichen Betriebs aus. Trotz eines Anstiegs der Düngerimporte im Dezember 2025 auf 2,37 Millionen Tonnen reichte dies nicht aus, um den Markt nachhaltig zu stabilisieren.

Folgen für die Landwirtschaft

Angesichts dieser Entwicklungen könnten Landwirte gezwungen sein, den Einsatz von Düngemitteln zu reduzieren, was die Erreichung des üblichen Erntestandards erschweren könnte. Die Preise für Futterweizen und -gerste lagen im aktuellen Wirtschaftsjahr oft nahe oder über dem Preis für Mahlweizen, was Zweifel an der Rentabilität des Stickstoffdüngereinsatzes bei Weizen aufwirft.

Kritik am CBAM und wirtschaftliche Unsicherheiten

Der europäische Agrarsektor hat Bedenken hinsichtlich des CBAM geäußert, da die Kostenunsicherheit zusätzliche finanzielle Belastungen mit sich bringt. Das System zur Berechnung der CBAM-Kosten basiert entweder auf tatsächlichen Emissionsdaten oder auf Standardwerten, wobei letzteres derzeit häufiger genutzt wird.

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