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Gasengpass droht: Deutschlands Speicher vor kritischem Tiefstand

Die niedrigen Gasreserven in Deutschland sind zu einem kritischen Thema geworden, insbesondere angesichts der frostigen Temperaturen im Januar 2026. Die Füllstände der Speicher sanken bis zum 24. Januar auf einen besorgniserregenden Wert von 37,5 %, was einen Rückgang um 21 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Diese Entwicklung wirft ernsthafte Fragen über die Energieversorgung während des Winters auf.

Herausforderungen bei der Versorgungssicherheit

Trotz der seit Jahrzehnten andauernden Energiewende bleibt Erdgas ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Energieinfrastruktur, sowohl für die Strom- und Wärmeerzeugung als auch als industrieller Rohstoff. Normalerweise sichern gut gefüllte Speicher eine stabile Versorgung bis ins Frühjahr. Doch die aktuelle Situation zeigt, dass dies im Winter 2025/26 nicht garantiert ist.

Zwei zentrale Faktoren tragen zu dieser Unsicherheit bei: Zum einen startete Deutschland mit ungewöhnlich niedrigen Speicherständen in die Heizperiode. Laut Bundesnetzagentur lag der Füllstand am 1. Oktober 2025 bei nur 76,31 %, was deutlich unter dem Vorjahresniveau liegt. Zum anderen führte das kalte Wetter zu einem stark erhöhten Gasverbrauch. Beispielsweise war die zweite Kalenderwoche dieses Jahres um 6 Grad kälter als im Vorjahr, sodass am 7. Januar allein 1,31 % des gespeicherten Gases entnommen wurden.

Risiken durch anhaltende Kälteperioden

Sollte der Winter weiterhin mit extrem niedrigen Temperaturen fortfahren, könnten die Entnahmen aus den Speichern deutlich ansteigen und diese schneller leeren. Ein Absinken des Füllstands unter etwa 30 % könnte den Förderdruck beeinträchtigen, was die Fähigkeit einschränkt, kurzfristig genügend Gas bereitzustellen. Fachleute aus der Branche sehen bei einem Füllstand von rund 20 % eine kritische technische Schwelle erreicht.

Mögliche Notfallmaßnahmen

Sollte sich abzeichnen, dass sowohl die Speicher als auch zusätzliche Importe nicht mehr ausreichen, um den Bedarf zu decken, könnte die Bundesregierung gezwungen sein, die Notfallstufe auszurufen. In diesem Fall würde die Bundesnetzagentur als „Bundeslastverteiler“ aktiv werden und möglicherweise Unternehmen sowie andere nicht geschützte Großkunden vom Netz nehmen müssen, um Haushalte und soziale Einrichtungen vorrangig mit Gas zu versorgen.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Der Agrarsektor könnte bei einer solchen Gasknappheit erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden. Insbesondere drei Bereiche wären betroffen:

  • Direkt: Der Betrieb von gasbeheizten Systemen in Ställen und Gewächshäusern könnte enorm teuer werden oder temporär ausfallen, was das Tierwohl und den Unterglasanbau gefährden würde.
  • Angebotsseitig: Bei Abschaltungen oder Drosselungen in der Düngemittel- und Futtermittelproduktion könnten diese Produkte knapp und teurer werden.
  • Nachfrageseitig: Verarbeitungsbetriebe wie Schlachthöfe oder Molkereien könnten ihre Kapazitäten bei Gasabschaltungen reduzieren müssen, was zu Engpässen bei der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte führen könnte.

Trotz dieser potenziellen Szenarien bleibt Zeit für Maßnahmen zur Entschärfung der Lage. Verbraucher und Politik können durch freiwillige Einsparungen oder den Zukauf von Importgas zur Stabilisierung beitragen und so extreme Folgen verhindern.

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