Die angespannte wirtschaftliche Situation der europäischen Landwirte war kürzlich Gegenstand intensiver Diskussionen zwischen den EU-Agrarministern und der EU-Kommission. Die sinkenden Preise für Milch, Getreide und Fleisch setzen viele Landwirte in Europa unter massiven Druck, was auch bei einem Treffen der Agrarminister am 26. Januar in Brüssel thematisiert wurde.
Preisdruck auf Milch und Düngemittel
Besonders die dramatische Entwicklung der Milchpreise bereitet Sorgen. In einigen Regionen der Europäischen Union liegen die Preise inzwischen unter den Produktionskosten, so dass für Januar weitere Rückgänge erwartet werden. Länder wie Italien und Ungarn verweisen auf EU-Daten, die zeigen, dass die Milchanlieferungen im Oktober um 5,1 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind, obwohl die Produktivität in den Sommermonaten normalerweise abnimmt.
Forderungen nach einem europäischen Milchplan
Italien und andere EU-Staaten wie Rumänien und die Slowakei fordern schnelles Handeln seitens der Kommission. Eine sofortige Intervention sei notwendig, um Marktverzerrungen zu verhindern. Hierbei wird auf einen „außerordentlichen Milchplan“ gedrängt, der finanzielle Anreize für einen freiwilligen Lieferverzicht vorsieht, ähnlich wie es 2016 gehandhabt wurde.
Proteste gegen Milchpreisverfall
Auch deutsche Milchbauern sind alarmiert: Der Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) plant eine Demonstration in München am 28. Januar als Reaktion auf den Preisverfall. Diese Proteste signalisieren den dringenden Bedarf an politischen Maßnahmen zur Stabilisierung des Marktes.
Unterstützung durch Lagerhaltung
Zusätzlich zu den Forderungen nach einem Lieferverzicht haben einige Agrarminister vorgeschlagen, die private Lagerhaltung von Produkten wie Käse und Butter zu unterstützen. Diese Maßnahme soll helfen, die Märkte zu entlasten und Liquiditätshilfen für betroffene Betriebe bereitstellen.
Kritik an Düngerpreisen und CO2-Regelungen
Hohe Düngemittelpreise stellen eine weitere Belastung dar. Österreichs Agrarminister Norbert Totschnig kritisierte deren Kostensteigerung als wesentlichen Faktor für steigende Produktionskosten im Ackerbau. Um die Landwirte zu entlasten, schlägt er vor, den CO2-Grenzausgleich für Düngemittel auszusetzen, bis dessen Funktionsfähigkeit gewährleistet ist.
Anpassungen bei der EU-Ökoverordnung
Einigkeit herrschte hingegen bei der Novellierung der EU-Ökoverordnung. Die Anpassungen sollen zügig erfolgen, um Handel mit Bioprodukten aus Drittländern zu erleichtern. Ein strittiger Punkt bleibt jedoch die Weidepflicht für Ökobetriebe, bei dem unterschiedliche Ansichten bestehen.
Erweiterung der Herkunftskennzeichnung gefordert
Diverse Länder drängen darauf, die Kennzeichnung von Lebensmitteln aus Drittstaaten auszuweiten. Derzeit wird nur zwischen „EU“ und „Nicht-EU“ unterschieden. Eine präzisere Regelung soll Transparenz schaffen und Verbraucher besser informieren.
