Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Landwirte in Deutschland werden zunehmend herausfordernd. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass das Einkommen aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit oft nicht mehr ausreicht, um einen Betrieb zu erhalten. Aus diesem Grund sind Nebeneinkünfte für viele Betriebe unverzichtbar geworden.
Wachsende Bedeutung von Nebeneinkünften
Laut der letzten Landwirtschaftszählung im Jahr 2020 sind 42 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf nichtlandwirtschaftliche Einnahmen angewiesen. Das bedeutet, dass von den insgesamt 263.500 erfassten Betrieben ganze 111.700 zusätzliche Einkommensquellen nutzen müssen, um wirtschaftlich zu überleben. Diese Zahl hat sich im Vergleich zur vorigen Erhebung im Jahr 2010 deutlich erhöht, als noch 92.100 Betriebe auf solche Einnahmen angewiesen waren.
Dieser Trend verdeutlicht, dass die ökonomischen Bedingungen für landwirtschaftliche Betriebe sich verschärft haben und immer mehr Landwirte gezwungen sind, alternative Einkommensquellen zu erschließen. Für viele bedeutet dies eine verstärkte Abhängigkeit von Nebeneinnahmen außerhalb der traditionellen Landwirtschaft.
Wichtige Quellen zusätzlicher Einnahmen
Zu den bedeutendsten nichtlandwirtschaftlichen Einkommensquellen gehören die Forstwirtschaft und die Erzeugung erneuerbarer Energien. Diese Bereiche tragen bei 34 Prozent bzw. 31 Prozent der Betriebe maßgeblich zum Einkommen bei. Interessanterweise hat es eine Verschiebung gegeben: Vor zehn Jahren lagen die erneuerbaren Energien mit einem Anteil von gut 37 Prozent noch vor der Forstwirtschaft, die damals bei knapp 23 Prozent lag.
Darüber hinaus spielen Arbeiten für andere landwirtschaftliche Betriebe eine wichtige Rolle, etwa durch Erntearbeiten oder Maschineneinsatz auf Lohnbasis. Hier haben knapp 27 Prozent der Betriebe zusätzliche Einnahmen generiert – ein Anstieg im Vergleich zu 18 Prozent vor zehn Jahren.
Nebenerwerb als Überlebensstrategie
Neben den genannten Haupteinkommensquellen gibt es weitere Möglichkeiten: Die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte und deren Verarbeitung vor Ort bieten für rund 18 Prozent der Betriebe zusätzliche Einnahmen. Außerdem sind Tätigkeiten wie die Pensions- und Reitsportpferdehaltung mit einem Anteil von 14 Prozent sowie die eigene Holzverarbeitung relevant.
Weitere Tätigkeitsfelder umfassen Arbeiten außerhalb der Landwirtschaft (8 Prozent), Tourismusangebote wie Urlaub auf dem Bauernhof (7 Prozent) und andere handwerkliche Aktivitäten.
Zukünftige Entwicklungen
Eine Studie von Jens Peter Loy von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel betont, dass alternative Einkommensquellen dazu beitragen können, die Abhängigkeit von agrarpolitischen Entscheidungen zu verringern. Es wird erwartet, dass rechtliche Rahmenbedingungen und staatliche Fördermaßnahmen weiterhin einen starken Einfluss auf Investitionen in alternative Einkommensmöglichkeiten haben werden.
Die kommende Agrarstrukturerhebung im Jahr 2026 wird weitere Einblicke in diese Entwicklung liefern. Es ist jedoch bereits jetzt absehbar, dass der Anteil und die Bedeutung von Nebeneinkommen für landwirtschaftliche Betriebe weiter zunehmen werden.
