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Klimaschutz und Tierwohl: Nicht für alle Bevölkerungsgruppen relevante Themen

Nach Einschätzung von Prof. Gunther Hirschfelder, Kulturwissenschaftler an der Universität Regensburg, finden Themen wie Klimaschutz, Tierwohl und Nachhaltigkeit nicht durchgängig Anklang in der deutschen Bevölkerung. Auf der Agrarfinanztagung in Berlin wies Hirschfelder darauf hin, dass insbesondere Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund sowie Menschen in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen diese Diskussionen häufig als fern empfinden.

Laut Hirschfelder fühlen sich etwa 23 % der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, bei jüngeren Personen sogar über 30 %, von den aktuellen gesellschaftlichen Debatten nicht angesprochen. Diese Gruppen leben in einem anderen „Informationskosmos“, was die politische Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen erschwert.

Der Wissenschaftler stellt fest, dass gerade Menschen in niedrigen Einkommensverhältnissen, deren Anteil er zwischen 25 und 30 % der Bevölkerung sieht, wenig Verständnis für Nachhaltigkeitsthemen aufbringen. Ökonomische und psychosoziale Druckfaktoren dominieren hier über ethisch-moralische Überlegungen. Die Frage nach dem Tierwohl wird oft mit der Gegenfrage „Why Tierwohl? Bitte erst mal Menschenwohl!“ beantwortet.

Hirschfelder identifiziert zudem eine Gruppe, die er als „Rücksichtslose“ beschreibt. Diese Personen sind primär auf die Optimierung des eigenen Lebens ausgerichtet und zeigen wenig Interesse an gesamtgesellschaftlichen Verbesserungen. Der Forscher kritisiert, dass sich politische und mediale Diskussionen zunehmend von diesen großen Bevölkerungsteilen entkoppeln, was gesellschaftliche Brüche fördert.

Er mahnt zudem, dass die „untere Hälfte der Bevölkerung“ einen Anspruch auf eine proteinreiche und fleischhaltige Ernährung hat. Ein Verbot oder die Einschränkung des Zugangs zu erschwinglichem Fleisch könnten politische Reaktionen hervorrufen. Hirschfelder betont, dass für eine Stärkung der Demokratie nicht nur teures Tierwohlfleisch, sondern auch preiswertes Fleisch verfügbar sein muss, um den Bedürfnissen aller Bevölkerungsgruppen gerecht zu werden.

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