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Frostschäden bedrohen Betriebe: Existenzgefährdung droht

In der vergangenen Woche haben ungewöhnlich frühe und starke Frostereignisse die deutsche Landwirtschaft schwer getroffen. Laut der Vereinigten Hagelversicherung verzeichnen alle Anbaugebiete in Deutschland erhebliche Frostschäden, die teilweise bis zum Totalverlust reichen. Der Frost hat insbesondere Reben und Obstanlagen hart getroffen, wobei die Temperaturen landesweit, mit wenigen Ausnahmen, auf unter -2 °C fielen und regional sogar bis auf -7 °C sanken. Der Gesamtschaden wird voraussichtlich über 500 Millionen Euro betragen.

Der Einsatz von Frostschutzkerzen, die in früheren Jahren oft zur Minderung der Frostschäden beitrugen, war dieses Mal weitgehend wirkungslos, da die Kälte auch in zwei Metern Höhe spürbar war und nicht nur die Bodenschichten erfasste. Diese extreme Kälte trifft die Landwirtschaft zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt, da viele Baumobstanlagen mitten in der Voll- oder sogar schon Abblüte standen – etwa 10-14 Tage früher als gewöhnlich. Diese Entwicklungsstadien sind besonders anfällig für Spätfrost, was insbesondere in Ostdeutschland und Rheinhessen zu katastrophalen Ernteschäden führte.

Interessanterweise führt die globale Erwärmung nicht zu einer Verringerung, sondern eher zu einer Zunahme von Frostereignissen während der Blütezeit. Dies liegt an den veränderten phänologischen Bedingungen, die dazu führen, dass die Pflanzen früher ausschlagen und somit anfälliger für späte Fröste sind.

Trotz des gestiegenen Bewusstseins und einer Zunahme der Versicherungsabschlüsse gegen Frost, haben viele Betriebe bisher keine entsprechende Versicherungspolice abgeschlossen. Dies führt nun zu erheblichen Liquiditätsengpässen und in einigen Fällen sogar zu existenzbedrohenden Situationen. Die Absicherung gegen finanzielle Risiken durch Wetterereignisse gewinnt daher weiter an Bedeutung. Multiriskoversicherungen, die mehrere Risiken abdecken, werden zunehmend zu einem entscheidenden Instrument des betrieblichen Risikomanagements.

Angesichts dieser Entwicklungen wird die Diskussion über die Notwendigkeit einer staatlichen Beteiligung an den Kosten solcher Versicherungen immer drängender. In den meisten Ländern der Europäischen Union ist eine solche Beteiligung bereits Realität, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe langfristig zu sichern.

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