In Nordjütland, einer Region im heutigen Dänemark, zeigen archäobotanische Untersuchungen überraschende Ergebnisse über die Landwirtschaft während der Nordischen Bronzezeit. Forscher der Universität Kiel haben herausgefunden, dass die damaligen Bauern kaum Düngemittel einsetzten und eine extensive Bewirtschaftung bevorzugten.
Untersuchungen in Bjerre: Einblicke in die Vergangenheit
Die Studien konzentrierten sich auf Funde aus den Siedlungen von Bjerre. Diese stammen aus der Zeit von 1700 bis 500 vor Christus. Fiona Walker-Friedrichs von der Universität Kiel analysierte verkohlte Getreidekörner sowie andere pflanzliche Überreste, die bei Ausgrabungen in den 1990er Jahren entdeckt wurden. Zu den wichtigsten Nutzpflanzen gehörten Emmer, Dinkel, Nacktgerste und später Nacktweizen, wie sie auch an anderen Orten der Bronzezeit in Dänemark bekannt sind.
Extensive Landwirtschaft ohne intensive Düngung
Im Rahmen der Untersuchungen wurde im Labor das Verhältnis stabiler Isotope von Kohlenstoff und Stickstoff in den Getreideproben bestimmt. Diese Analyse ermöglicht Rückschlüsse darauf, ob die Pflanzen gedüngt wurden. Die Resultate zeigen jedoch, dass die Intensität der Düngung während der gesamten Bronzezeit gering war und keine Anzeichen für eine Überschussproduktion erkennbar sind.
Laut Walker-Friedrichs deutet dies darauf hin, dass die Wirtschaft in Bjerre auf Selbstversorgung ausgerichtet war. Obwohl gegen Ende der Bronzezeit der Arbeitsaufwand leicht zunahm, blieb die Düngeintensität konstant niedrig.
Lokale Anpassungen in der Landwirtschaft
Vergleichsstudien mit anderen bronzezeitlichen Siedlungen im heutigen Dänemark offenbaren dagegen unterschiedliche Düngepraktiken je nach Standort und Pflanze. Dies legt nahe, dass in Bjerre lokale Anpassungen und spezialisiertes Wissen eine zentrale Rolle spielten. Daraus lässt sich schließen, dass die Landwirtschaft nicht überall nach einem einheitlichen Muster betrieben wurde, sondern stark an regionale Gegebenheiten angepasst war.
Um detailliertere Erkenntnisse über diese Anpassungen zu gewinnen, sind jedoch weitere regionale Studien erforderlich. Dies könnte wertvolle Informationen darüber liefern, wie frühere Gesellschaften ihre landwirtschaftlichen Praktiken an ihre jeweiligen Umweltbedingungen anpassten.
