Die Herausforderungen für europäische Landwirte beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wachsen stetig. Während weltweit neue Wirkstoffe entwickelt werden, bleibt Europa weitgehend außen vor. Von sieben neuen chemischen Wirkstoffen schafft es in der Regel nur einer auf den europäischen Markt. Diese Situation resultiert aus einem strikten Zulassungsverfahren der EU, das Gefahren statt Risiken priorisiert.
Gefahr versus Risiko: Eine entscheidende Unterscheidung
Das europäische Zulassungssystem für Pflanzenschutzmittel hat sich in den letzten Jahren von einer risikobasierten zu einer gefahrenbasierten Bewertung verschoben. Dies bedeutet, dass die theoretische Möglichkeit einer Gefahr ausreicht, um die Zulassung eines Wirkstoffs zu verhindern, unabhängig davon, wie wahrscheinlich das Eintreten dieser Gefahr ist oder ob Maßnahmen existieren, um diese zu minimieren. Für die Landwirte führt dies zu weniger verfügbaren Mitteln und erhöhten Ernteausfällen.
Stagnation bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe
In den vergangenen sechs Jahren wurden in der EU 76 Wirkstoffe vom Markt genommen, während lediglich ein neuer chemischer Wirkstoff zugelassen wurde – das letzte Mal 2019. Die meisten neuen Produkte bestehen aus bekannten Substanzen in neuen Kombinationen. Diese Situation bringt Landwirte in Bedrängnis, da sie mit begrenzten Mitteln gegen Schädlinge und Krankheiten kämpfen müssen.
Herausforderungen für forschende Unternehmen
Unternehmen wie Bayer Cropscience und BASF investieren jährlich Milliarden in die Forschung und Entwicklung neuer Pflanzenschutzmittel. Die hohen Kosten für die Sicherheitsforschung und die strengen europäischen Zulassungsstandards führen jedoch dazu, dass viele ihrer Entwicklungen nicht genehmigt werden. So wird im Vergleich zu einem Antrag in Europa sechs Mal häufiger ein neuer Wirkstoff in anderen Regionen zugelassen.
Zulassungshürden: Cut-off-Kriterien
Die EU hat strenge Cut-off-Kriterien eingeführt, wodurch Substanzen mit bestimmten schädlichen Eigenschaften wie krebserregend oder hormonschädigend keine Zulassung erhalten. Auch wenn alternative Verfahren zur Risikominderung existieren könnten, werden diese oft nicht berücksichtigt. Dies unterscheidet sich stark von anderen Weltregionen, wo solche Ansätze als praktikabel gelten.
Zukunftsperspektiven im Pflanzenschutz
Trotz der Herausforderungen gibt es Ansätze zur Verbesserung des Pflanzenschutzes durch moderne Technologien wie digitale Verbindungssysteme zwischen Spritzgeräten und Pflanzenschutzmitteln oder geschlossene Einfüllsysteme zur Vermeidung von Verschmutzungen. Auch Eigenverantwortung und sorgfältige Anwendung durch Landwirte können Risiken minimieren und Resistenzen verhindern.
Notfallzulassungen als kurzfristige Lösung
In Ermangelung dauerhafter Lösungen greifen Landwirte häufig auf Notfallzulassungen zurück, um akute Bedrohungen abzuwehren. Diese temporären Genehmigungen sind jedoch keine nachhaltige Lösung und erhöhen den Druck auf Behörden, neue dauerhafte Zulassungen zu ermöglichen.
Pflanzenschutz als integraler Bestandteil des Anbaus
Ein integrierter Ansatz im Pflanzenbau ist essenziell für stabile Erträge. Dazu gehören Sortenzüchtung, Düngemanagement und angepasste Pflanzenschutzstrategien. Der konventionelle Anbau spielt weiterhin eine wichtige Rolle neben dem ökologischen Anbau, da er eine breite Versorgung sicherstellt.
Anerkennung wissenschaftlicher Erkenntnisse
Gefahren durch chemische Wirkstoffe müssen ernstgenommen werden; dennoch sollte die Entscheidung über ihre Verwendung auf dem tatsächlichen Risiko basieren. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten dabei eine zentrale Rolle spielen, um ausgewogene Entscheidungen im Interesse von Landwirtschaft und Umweltschutz zu treffen.
