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Regulatorische Hürden bedrohen Pflanzenschutz: Neuausrichtung nötig

Die europäische Landwirtschaft sieht sich mit erheblichen Herausforderungen im Bereich des Pflanzenschutzes konfrontiert. Ein unzureichendes Zulassungssystem für Pflanzenschutzmittel, das nicht mehr den aktuellen Anforderungen auf den Feldern entspricht, erschwert es der Industrie zunehmend, neue Lösungen bereitzustellen. Karin Guendel Gonzalez von Bayer CropScience Deutschland hebt hervor, dass die derzeitigen regulatorischen Hürden eine schnelle Bereitstellung neuer Wirkstoffe verhindern.

Zulassungssystem unter Druck

Laut Guendel Gonzalez hat das bestehende System zur Genehmigung von Pflanzenschutzmitteln in Europa seine Balance verloren. Ursprünglich sollte die Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Verfügbarkeit schaffen. Doch inzwischen hängen zahlreiche Innovationen im Prüfprozess fest, was die Versorgung mit effektiven Pflanzenschutzmitteln gefährdet.

Der Rückgang an verfügbaren Wirkstoffen führt zu einem erhöhten Druck auf die Erträge in der Landwirtschaft. Studien zeigen, dass der Ausfall bestimmter Mittel zu einem Rückgang der Ernten um bis zu 20 % bei wichtigen Kulturen wie Weizen und Kartoffeln führen kann. Dies erhöht nicht nur die Abhängigkeit von Importen, sondern könnte auch Preise in die Höhe treiben und Betriebe in ihrer Existenz bedrohen.

Dringender Reformbedarf

Ein weiterer Kritikpunkt ist das lange andauernde Prüfverfahren sowie die Vielzahl an neuen Anforderungen und Ausschlusskriterien, die es schwer machen, innovative Lösungen auf den Markt zu bringen. Währenddessen breiten sich resistente Unkräuter und neue Schädlinge wie die Schilf-Glasflügelzikade aus, was zusätzliche Bedrohungen für Erträge darstellt.

Guendel Gonzalez betont, dass es auf EU-Ebene einer grundlegenden Neuausrichtung des Genehmigungsverfahrens bedarf. Statt theoretischer Gefahrenpotenziale sollten wissenschaftliche Daten und Fakten bei der Bewertung im Vordergrund stehen. Ein solcher Ansatz könnte helfen, wichtige Wirkstoffe zu erhalten oder neu zuzulassen, ohne dabei Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen.

Appell an nationale Politik

Auch national sieht Guendel Gonzalez Handlungsbedarf: Die Effizienz der Produktzulassungen muss gesteigert werden. Derzeit sind mehrere Behörden involviert, was häufig zu übermäßigem bürokratischen Aufwand führt. Die Digitalisierung könnte hier einen Beitrag leisten, um Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Besonders wichtig sei es auch, dass Deutschland sich aktiv auf europäischer Ebene einbringt, da viele Entscheidungen dort getroffen werden. Die Einführung einer risikobasierten Bewertung von Wirkstoffen nach Vorbild anderer Regionen weltweit könnte eine Lösung sein.

Zukunftsperspektiven für Landwirte

Bayer setzt weiterhin auf Forschung und Entwicklung im Bereich Pflanzenschutz und sieht Partnerschaft und wissenschaftsbasierte Entscheidungen als Schlüssel für zukünftige Erfolge an. Trotz der Herausforderungen wird Bayer weiterhin Innovationen bereitstellen, um die Versorgung mit sicheren Lebensmitteln sicherzustellen.

Guendel Gonzalez ruft dazu auf, Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes konsequent umzusetzen, um Resistenzen vorzubeugen und langfristig Erträge zu sichern. Sie betont zudem die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Politik, Industrie und Landwirten zur Bewältigung der aktuellen Probleme im Pflanzenschutz.

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