Die University of Cambridge hat eine geplante Schließung ihres Veterinärstudiengangs überraschend abgeblasen. Nach einem intensiven Entscheidungsprozess entschied das Leitungsgremium der Universität am 23. Februar 2026, den Kurs nicht einzustellen und weiterhin Studierende für den Herbstsemesterstart aufzunehmen. Damit reagierte die Hochschule auf massiven Widerstand aus der akademischen Gemeinschaft, von Studierenden und Berufsverbänden.
Dieser Richtungswechsel markiert einen bedeutenden Erfolg für Befürworter der tierärztlichen Ausbildung und eröffnet zugleich die Chance, strukturelle Defizite im System zu beheben.
Hintergrund: Warum stand die Vet School auf dem Prüfstand?
Im Dezember 2025 hatte der School of Biological Sciences Council empfohlen, die veterinärmedizinische Ausbildung bis 2032 auszusetzen. Argumentiert wurde mit mangelnder „nachhaltiger klinischer Service-Bereitstellung“, finanziellen Belastungen und einem dringenden Reformbedarf bei Lehr- und Praxisstandards.
Diese Anregung stieß schnell auf breite Kritik. Viele Akademiker, Studierende und professionelle Interessenvertreter warnten, dass ein Verzicht auf eine der ältesten Vet-Ausbildungen der Welt die Versorgung mit qualifizierten Tierärzten gefährden könnte. Auch für die Forschung in Bereichen wie Tiergesundheit, Seuchenbekämpfung oder One-Health-Initiativen wäre ein Verlust spürbar.
Protest, Politik und Profession – eine Allianz formiert sich
Die Entscheidung fiel nicht im luftleeren Raum: Innerhalb weniger Wochen formierte sich eine breit angelegte Protestbewegung. Studierende und Beschäftigte organisierten Demonstrationen und starteten die Initiative „Save the Vet School“, die Tausende Unterstützer sammelte.
Berufsverbände wie die British Veterinary Association (BVA) und die National Farmers’ Union äußerten offen ihren Unmut und warnten, dass ein Wegfall der Ausbildung langfristig auch die Qualität der tierärztlichen Versorgung in Großbritannien unter Druck setzen würde.
Auch politische Stimmen, darunter ehemalige Absolventen der Universität im Parlament, positionierten sich gegen den ursprünglichen Schließungsvorschlag.
Entscheidung und enthaltene Kritik: Ein Zwischenerfolg mit offenen Fragen
Der General Board der Universität fasste in einer einstimmigen Abstimmung den Beschluss, die Veterinärschule nicht zu schließen. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass das klinische Service-System umfassend finanziell und organisatorisch neu ausgerichtet werden muss.
Für Studierende und Mitarbeitende ist dies zunächst ein Erfolg, doch die Reaktionen fallen gemischt aus: Viele begrüßten ausdrücklich das Ergebnis, kritisieren jedoch den Weg dorthin – insbesondere mangelnde Transparenz und einen Prozess, der unnötigen Stress erzeugt habe.
Forderungen nach klaren Verantwortlichkeiten und stärkerem Austausch zwischen Verwaltung, Fachbereich und Studierendenschaft bleiben bestehen.
Perspektiven für die Zukunft der veterinärmedizinischen Ausbildung
Die Entscheidung ist ein strategischer Gewinn für die Veterinärmedizin in Großbritannien, weil sie den Fortbestand einer renommierten Ausbildungsstätte sichert. Sie zeigt zugleich, dass Stakeholder-Engagement und sektorübergreifende Dialoge wesentliche Elemente sind, um zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen.
Zugleich ist der Beschluss kein Schlussstrich unter die Herausforderungen: Die Klinik- und Lehrstruktur muss nachhaltig stabilisiert werden, um weiterhin qualitativ hochwertige Ausbildung zu garantieren. Hierfür kommen etwa effizientere Finanzierungsmodelle, Kooperationen mit der Industrie und verstärkte Forschungspartnerschaften in Frage.
Insgesamt steht die Cambridge-Entscheidung für eine stärkere Anerkennung der veterinärmedizinischen Lehre als kritischen Baustein der Tiergesundheit, der öffentlichen Gesundheit und der Forschung. Gleichzeitig mahnt sie, Reformprozesse transparent zu gestalten und alle Betroffenen frühzeitig einzubeziehen.
