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Warum Drohnen besser düngen als Traktoren

Wenn die Felder zu nass für schwere Maschinen sind, bieten Agrardrohnen eine echte Alternative. Immer mehr Landwirte setzen auf die fliegenden Helfer – mit überraschenden Ergebnissen.

Peter Kaim stand im Februar 2024 vor einem Problem, das viele seiner Berufskollegen kennen: Seine Rapsfelder brauchten dringend Stickstoff, doch die Böden waren nach wochenlangem Regen so durchnässt, dass an eine Befahrung mit dem Traktor nicht zu denken war. Der Landwirt vom Havellandhof Ribbeck in Brandenburg entschied sich für eine ungewöhnliche Lösung. Statt abzuwarten, ließ er eine Agrardrohne über seinen 27 Hektar großen Rapsschlag fliegen. Das Ergebnis: Die Pflanzen bekamen ihre Nährstoffe, ohne dass ein einziges Rad den aufgeweichten Boden berührte.

Was vor wenigen Jahren noch wie Zukunftsmusik klang, wird auf deutschen Äckern zunehmend zur Realität. Etwa jeder zehnte landwirtschaftliche Betrieb nutzt mittlerweile Drohnen in irgendeiner Form. Dabei geht der Einsatz längst über die bekannte Rehkitzrettung hinaus. Gerade bei der Düngung zeigen sich Vorteile, die selbst erfahrene Praktiker überraschen.

Das Dilemma der nassen Böden

Der Winter 2023/24 stellte Landwirte vor enorme Herausforderungen. Allein in Nordrhein-Westfalen fielen zwischen Oktober und März durchschnittlich 620 Millimeter Niederschlag – fast doppelt so viel wie im langjährigen Mittel. Besonders die Monate Oktober, November und Dezember brachten Regenmengen, die jeden Zeitplan für die Frühjahrsdüngung über den Haufen warfen.

Für Ackerbauern entsteht in solchen Situationen ein klassisches Dilemma. Einerseits benötigen die Winterkulturen nach dem Vegetationsstart dringend Stickstoff, um in die Wachstumsphase zu starten. Andererseits würden schwere Traktoren mit Düngerstreuern auf den wassergesättigten Flächen massive Bodenverdichtungen verursachen. Diese Schäden wirken sich oft über Jahre aus: Das Wurzelwachstum wird gehemmt, die Wasserspeicherfähigkeit sinkt, und bei Starkregen kommt es verstärkt zu Erosion.

Die Konsequenz ist häufig ein Abwarten, das die Pflanzen teuer bezahlen. Jede Woche ohne Stickstoff kostet Ertrag. Bei Winterraps können verspätete Düngergaben den Unterschied zwischen einer guten und einer mittelmäßigen Ernte bedeuten. Genau hier setzen Agrardrohnen an.

Wie die Düngung aus der Luft funktioniert

Moderne Agrardrohnen wie die DJI Agras T30 sind speziell für landwirtschaftliche Anwendungen konzipiert. Mit einer maximalen Nutzlast von 40 Kilogramm und wahlweise Sprühdüsen oder Streutellern ausgestattet, können sie sowohl flüssige als auch feste Dünger ausbringen. Die Geräte fliegen dabei in einer Höhe von drei bis fünf Metern über dem Pflanzenbestand und verteilen die Nährstoffe gleichmäßig.

Bevor eine Drohne zum Einsatz kommt, wird die Fläche zunächst genau analysiert. Bei Peter Kaim fertigte das Team Luftaufnahmen an, um zu identifizieren, wo noch Wasser stand und welche Teilbereiche gedüngt werden sollten. Diese Vorarbeit ist entscheidend: Sie ermöglicht nicht nur die Planung effizienter Flugrouten, sondern hilft auch dabei, problematische Zonen gezielt auszusparen. Der Flugplan wird anschließend mit spezieller Software erstellt und auf den Controller übertragen.

Am Feldrand braucht es dann geladene Akkus, einen Generator zur Nachladung und natürlich den Dünger. Bewährt hat sich abgesackter Dünger in 25-Kilogramm-Säcken, da sich dieser leichter in den Tank der Drohne füllen lässt. Bei loser Anlieferung wäre der Aufwand deutlich höher. Mindestens zwei Personen sollten vor Ort sein, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten – wobei erfahrene Piloten die Arbeit notfalls auch alleine bewältigen können.

Die Wahl des richtigen Düngers

Nicht jeder Dünger eignet sich gleichermaßen für die Ausbringung per Drohne. Christian Baumeister, Landwirt und Drohnenpilot aus Nordrhein-Westfalen, hat auf rund 250 Hektar umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Seine klare Empfehlung: Harnstoff. Der Grund ist simpel – Harnstoff besteht zu 46 Prozent aus Stickstoff und bietet damit das beste Verhältnis von Gewicht zu ausgebrachtem Nährstoff. Bei der begrenzten Tragkraft einer Drohne ist diese Effizienz entscheidend.

Peter Kaim setzte auf seinem Rapsschlag stabilisierten Harnstoffdünger ein. Mit einer Ausbringmenge von 125 Kilogramm pro Hektar erreichte er eine Stickstoffgabe von 58 Kilogramm – durchaus vergleichbar mit einer konventionellen Andüngung. Die Dosierwelle seiner Drohne brachte dabei 200 Gramm pro Sekunde aus, ein Wert, der eine präzise Kalkulation der Überfluggeschwindigkeit ermöglicht.

Wichtig ist die Streufähigkeit des Materials. Größere Klumpen kann die Dosierwelle nicht aufnehmen und zerkleinern. Deshalb lohnt sich vor dem Einsatz eine sorgfältige Kontrolle der Düngerqualität. Eine exakte Abdrehprobe hilft zusätzlich, die tatsächliche Durchlaufmenge zu bestimmen und böse Überraschungen auf dem Feld zu vermeiden.

Was die Praxis zeigt – Erfahrungen von Landwirten

Der Havellandhof Ribbeck bewirtschaftet rund 760 Hektar Ackerland und 227 Hektar Grünland, dazu kommen 165 Milchkühe. Ein Betrieb dieser Größe kalkuliert genau, bevor neue Technologien zum Einsatz kommen. Für Peter Kaim war der Drohneneinsatz im Frühjahr 2024 zunächst eine Notlösung – doch die Ergebnisse haben ihn überzeugt.

Ähnlich sieht es bei Dr. Hans-Peter Grothaus aus Bielefeld. Der Lohnunternehmer bietet neben klassischen Dienstleistungen auch Drohnenanwendungen an: Bestandsanalysen, Applikationskartenerstellung, Maiszünslerbekämpfung mit Schlupfwespen und eben auch Aussaat und Düngung. Sein Fokus liegt dabei auf der Startgabe für Flächen, die im Frühjahr erst spät befahrbar werden, aber bereits erkennbaren Nährstoffbedarf zeigen. Nach dieser Andüngung kann dann mit üblicher Technik weitergearbeitet werden.

Die Flächenleistung liegt bei guter Logistik und routiniertem Personal zwischen drei und vier Hektar pro Stunde. Das klingt zunächst bescheiden im Vergleich zu einem modernen Düngerstreuer. Doch der Vergleich hinkt: Wenn die Alternative heißt, gar nicht düngen zu können, relativiert sich dieser Unterschied schnell. Zudem arbeiten die Drohnen präzise, verursachen keinerlei Bodenverdichtung und können auch auf Hanglagen eingesetzt werden, wo Traktoren an ihre Grenzen stoßen.

Vorteile, Grenzen und ein ehrlicher Blick auf die Kosten

Die Vorteile der Drohnendüngung liegen auf der Hand: kein Bodenkontakt, keine Verdichtung, Einsatz auch bei Nässe möglich – solange die Düngeverordnung eingehalten wird, sprich die Flächen nicht wassergesättigt oder gefroren sind. Hinzu kommt die Möglichkeit, Teilflächen gezielt auszusparen oder unterschiedlich stark zu düngen. Moderne Drohnen mit Multispektralsensoren können sogar den Stickstoffbedarf einzelner Pflanzenbestände erkennen und die Ausbringmenge entsprechend anpassen.

Doch die Technologie hat auch klare Grenzen. Die begrenzte Tragkraft und die eingeschränkten Akkukapazitäten führen dazu, dass tendenziell geringere Mengen pro Hektar ausgebracht werden können. Für große Düngegaben – etwa 200 Kilogramm Kalk pro Hektar – sind Drohnen schlicht nicht ausgelegt. Sie eignen sich besser für Startgaben, Mikronährstoffe oder die Düngung in Spezialkulturen.

Auch wirtschaftlich muss man ehrlich sein: Eine professionelle Agrardrohne mit Multispektralkamera kostet zwischen 5.000 und 20.000 Euro, je nach Ausstattung. Dazu kommen Kosten für Akkus, Software und regelmäßige Wartung. Im direkten Vergleich kann die Drohnentechnik mit Standardtechnik kostenmäßig derzeit nicht mithalten. Sie ist keine Universallösung, sondern eine sinnvolle Ergänzung für bestimmte Situationen.

Rechtliche Rahmenbedingungen beachten

Wer Drohnen landwirtschaftlich einsetzen möchte, muss sich mit den rechtlichen Vorgaben vertraut machen. Je nach Größe und Gewicht der Drohne ist ein Drohnenführerschein oder zumindest ein Online-Test erforderlich. Dazu kommen Versicherungspflicht und Registrierung des Fluggeräts. Seit November 2022 erleichtert ein nationales Standardszenario den Einsatz von Drohnen mit einer maximalen Abflugmasse unter 50 Kilogramm auf landwirtschaftlichem Grund.

Die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln per Drohne ist in Deutschland nach wie vor stark reglementiert und nur im Steillagenweinbau erlaubt. Für die reine Düngung gelten weniger strenge Auflagen, doch auch hier müssen Flugzonen und Abstandsregeln beachtet werden. Wer sich unsicher ist, sollte vor dem ersten Einsatz fachkundige Beratung suchen oder einen erfahrenen Dienstleister beauftragen.

Mehr als nur Düngung – das Potenzial der Präzisionslandwirtschaft

Der eigentliche Wert von Agrardrohnen zeigt sich oft erst im Zusammenspiel verschiedener Anwendungen. Eine mit Spektralsensor ausgerüstete Drohne kann Stickstoffmangel erkennen und daraus eine Applikationskarte erstellen, die anschließend der Traktorstreuer umsetzt. So profitiert auch der konventionelle Maschineneinsatz von den Daten aus der Luft.

In keiner anderen Branche gibt es laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft einen vergleichbar intensiven Einsatz von Drohnen wie in der Landwirtschaft. Die Anwendungsfelder reichen von der Kitzrettung über die Bestandsanalyse bis zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Beim Maiszünsler etwa haben sich Drohnen bewährt, die Trichogramma-Schlupfwespen in den Bestand abwerfen – ganz ohne Chemie.

Auch die Aussaat von Zwischenfrüchten per Drohne gewinnt an Bedeutung. In stehenden Hauptkulturen, etwa Mais kurz vor der Ernte, können so Untersaaten etabliert werden, ohne den Bestand zu beschädigen. Das spart einen Arbeitsgang und schont den Boden.

Ein Blick in die Zukunft

Experten prognostizieren, dass Drohnen bis 2030 so selbstverständlich zum Farmmanagement gehören könnten wie heute der Wetterbericht. Die Technik entwickelt sich rasant weiter: größere Akkukapazitäten, höhere Nutzlasten, intelligentere Software. Schon jetzt arbeiten Forschungsinstitute wie das IASP an der Humboldt-Universität Berlin an der Verbesserung der Streugenauigkeit.

Die Kombination mit Satellitendaten und Künstlicher Intelligenz eröffnet weitere Möglichkeiten. Digitale Zwillinge des Ackers, die per Sensoren ständig mit neuen Daten gefüttert werden, könnten in Zukunft automatisch erkennen, wann und wo eine Düngergabe nötig ist. Die Drohne würde dann autonom starten und die Arbeit erledigen – während der Landwirt sich anderen Aufgaben widmet.

Ob dieses Szenario in fünf oder zehn Jahren Realität wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Die Landwirtschaft zeigt einmal mehr ihre Innovationskraft. Aus einer Notlösung im nassen Frühjahr 2024 könnte ein fester Bestandteil moderner Betriebsführung werden. Für Landwirte wie Peter Kaim, Christian Baumeister und Hans-Peter Grothaus ist die Drohne jedenfalls längst kein Spielzeug mehr, sondern ein ernstzunehmendes Werkzeug.

Fazit: Für wen lohnt sich die Drohnendüngung?

Die Düngung per Drohne ist keine Universallösung, die den Traktor ersetzen wird. Sie ist ein Spezialwerkzeug für bestimmte Situationen: nasse Böden, die nicht befahren werden können; Hanglagen, auf denen konventionelle Technik an ihre Grenzen stößt; Teilflächen, die eine differenzierte Behandlung erfordern. Wer regelmäßig mit solchen Herausforderungen konfrontiert ist, sollte die Option ernsthaft prüfen.

Für kleinere Betriebe kann die Beauftragung eines Dienstleisters sinnvoller sein als die eigene Anschaffung. Lohnunternehmer wie Dr. Grothaus bieten die nötige Expertise und Technik, ohne dass hohe Investitionskosten anfallen. Größere Betriebe mit regelmäßigem Bedarf rechnen dagegen oft die Anschaffung durch – besonders wenn sie die Drohne auch für andere Anwendungen wie Bestandsanalysen oder Kitzrettung nutzen.

Am Ende bleibt die wichtigste Erkenntnis: Es gibt jetzt eine Technologie, auf die Landwirte unter Umständen zurückgreifen können, falls die Notwendigkeit gegeben ist. Das Frühjahr 2024 hat gezeigt, dass extreme Wetterlagen häufiger werden. Wer für solche Situationen gerüstet ist, hat einen Vorteil – und sei es nur, dass die Pflanzen ihre Nährstoffe bekommen, wenn sie sie brauchen.


Quellen

  • Landwirtschaftskammer NRW / oekolandbau.nrw.de: „Düngen mit Drohnen?“, 2024
  • Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): „Wofür braucht man Drohnen in der Landwirtschaft?“
  • Feldflieger GmbH: „Drohnen in der Landwirtschaft – aktueller Stand in Deutschland 2025″, April 2025
  • KWS SAAT: „BlickPunkt – Drohneneinsatz in der Landwirtschaft“
  • agrarheute.com: „Düngen mit der Drohne: So ernährt Landwirt Kaim bei Nässe seinen Raps“, Februar/März 2024
  • Land & Forst: „Drohnen im Ackerbau: Grundlagen, Kaufentscheidung und Möglichkeiten“, Juni 2024
  • Unsere Bayerischen Bauern: „Roboter und Drohnen“, Oktober 2025

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