Wer beim Traktor auf jeden Liter achtet, sollte diese Zahlen kennen: Der DLG-PowerMix zeigt knallhart, welche Schlepper wirklich sparsam sind – und welche nur im Prospekt glänzen.
Bei Dieselpreisen um zwei Euro pro Liter entscheidet der Kraftstoffverbrauch über Gewinn oder Verlust. Der DLG-PowerMix ist der einzige Test, der Traktoren unter praxisnahen Bedingungen vergleicht – mit wechselnden Lasten an Zapfwelle, Hydraulik und Zugmaul. Wir haben die aktuellsten Messwerte analysiert und präsentieren die zehn sparsamsten Traktoren, die derzeit auf dem Markt verfügbar sind.
So wurde gemessen
Der DLG-PowerMix simuliert zwölf typische Feldarbeiten plus zwei Transportzyklen auf dem Rollenprüfstand. Anders als statische Zapfwellenmessungen bildet er das reale Arbeitsleben ab: Pflügen, Grubbern, Mähen, Pressen – alles mit wechselnden Belastungen. Das Ergebnis ist der spezifische Verbrauch in Gramm pro Kilowattstunde (g/kWh), inklusive AdBlue.
Platz 1: Fendt 1050 Vario – 233 g/kWh
Der Großtraktor aus Marktoberdorf bleibt unerreicht. Mit nur 233 g/kWh im Feld ist der 1050 Vario der sparsamste Traktor, der jemals im DLG-PowerMix getestet wurde. Das VarioDrive-Getriebe in Kombination mit dem MAN-Motor und dem Niedrigdrehzahlkonzept Fendt iD macht den Unterschied.
Leistung: 517 PS
Besonderheit: 60 km/h bei nur 1.450 U/min
Ideal für: Großbetriebe mit schweren Zugarbeiten
Platz 2: Fendt 942 Vario Gen6 – 237 g/kWh
Das Topmodell der 900er-Serie kommt dem großen Bruder gefährlich nahe. Mit 237 g/kWh (+ 32 g/kWh AdBlue) ist der 942 Vario rund 15 Prozent sparsamer als der Durchschnitt aller getesteten Traktoren in seiner Klasse. Der 9-Liter-MAN-Motor liefert 415 PS und erreicht 40 km/h bei gerade einmal 950 Umdrehungen.
Leistung: 415 PS
Besonderheit: Einziger Stage-V-Traktor im Spitzenfeld
Vergleich zum Vorgänger: 5 g/kWh weniger als der 939 Vario
Platz 3: Fendt 728 Vario Gen7 – 242 g/kWh
Der meistverkaufte Traktor Deutschlands ist gleichzeitig der sparsamste in der 300-PS-Klasse. Mit 242 g/kWh (+ 24,2 g/kWh AdBlue) im Feld liegt der 728 Vario 15 g/kWh unter dem nächsten Wettbewerber. Beim Transport setzt er mit nur 332 g/kWh bei 40 km/h ebenfalls Maßstäbe.
Leistung: 284 PS (max. 305 PS mit Boost)
Besonderheit: Sparsamster Transport-Traktor aller Zeiten – selbst bei 60 km/h unter dem 40-km/h-Bestwert der Konkurrenz
Verkaufszahlen 2024: 1.520 Einheiten in Deutschland
Platz 4: Fendt 620 Vario – 245 g/kWh
Seit Mai 2025 das neue Maß der Dinge bei den Vierzylindern: Der 620 Vario erreicht 245 g/kWh (+ 29,3 g/kWh AdBlue) im Feld – Bestwert in der Klasse von 165 bis 240 PS. Der AGCO Power CORE50 Motor leistet 205 PS und liefert 885 Nm Drehmoment bei nur 1.200 U/min.
Leistung: 205 PS
Transport-Verbrauch: 309 g/kWh bei 40 km/h – 40 g/kWh besser als die Konkurrenz
Besonderheit: Sparsamster Traktor im DLG PowerMix 2.0 insgesamt
Platz 5: John Deere 6R 185 – 256 g/kWh (Feld) / 355 g/kWh (Transport)
Überraschung aus Mannheim: Der 6R 185 ist der sparsamste John Deere im PowerMix – und beim Transport sogar klassenführend. Mit nur 355 g/kWh Diesel plus 14 g/kWh DEF im Transport-Zyklus schlägt er alle Konkurrenten in der Klasse bis 250 PS.
Leistung: 185 PS
Besonderheit: Speziell auf Transportarbeiten optimiert – spart bis zu 2 Euro pro Stunde gegenüber Wettbewerbern
Getriebe: AutoPowr stufenlos
Platz 6: New Holland T7.300 – ca. 259 g/kWh
Der FPT-Motor im T7.300 gehört zu den effizientesten Sechszylindern am Markt. Mit 215 g/kWh an der Zapfwelle (ohne AdBlue) liegt er gemeinsam mit dem baugleichen Claas Axion an der Spitze der stationären Messungen. Im praktischen Einsatz überzeugt er mit einer sehr guten Motor-Getriebe-Abstimmung.
Leistung: 300 PS
Besonderheit: Sparsamster Motor bei Zapfwellenarbeiten
Plus: Leiseste Kabine im 300-PS-Vergleichstest
Platz 7: Claas Axion 870 – ca. 262 g/kWh
Der Claas teilt sich den FPT-Motor mit dem New Holland und erreicht ähnliche Verbrauchswerte. Mit 216 g/kWh an der Zapfwelle gehört er zu den Sparsamsten. Das ZF-Terramatic-Getriebe mit vier automatisch schaltenden Gruppen rundet das Paket ab.
Leistung: 295 PS
Besonderheit: Bewährtes Konzept seit 2013 mit regelmäßigen Updates
Testsieger: 784 Punkte im nordeuropäischen Vergleichstest 2024
Platz 8: Claas Arion 660 Cmatic – 276 g/kWh
Der komplett überarbeitete Arion 660 zeigt, was bei Vierzylindern möglich ist. Mit 276 g/kWh (+ 9 g/kWh AdBlue) ist er über 5 Prozent sparsamer als sein Vorgänger, der Arion 650. Der 4,5-Liter-Motor leistet bis zu 205 PS mit Boost.
Leistung: 175 PS (max. 205 PS mit Boost)
Transport-Verbrauch: Effizient auf der Straße dank Cmatic-Stufenlosgetriebe
Minus: Hubkraft mit 5.247 daN etwas knapp für einen 200-PS-Schlepper
Platz 9: Fendt 314 Vario – 277 g/kWh
Der kompakte Allrounder aus Marktoberdorf liegt mit 277 g/kWh (+ 26 g/kWh AdBlue) exakt im Durchschnitt aller getesteten Traktoren – aber deutlich besser beim Transport. Mit nur 393 g/kWh auf der Straße liegt er mehr als 4 Prozent unter dem Mittelwert.
Leistung: 142 PS
Besonderheit: 40 km/h bei unter 1.500 U/min
Ideal für: Gemischtbetriebe mit Frontlader-Einsatz
Platz 10: Deutz-Fahr 6180 P – 0,324 €/kWh
Der Deutz überzeugt mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis beim Verbrauch. Mit 221 g/kWh an der Zapfwelle liegt er nur knapp hinter den FPT-Motoren von New Holland und Claas. Das TTV-Stufenlosgetriebe, entwickelt gemeinsam mit Claas Industrietechnik, sorgt für eine gute Gesamteffizienz.
Leistung: 177 PS
Besonderheit: Geringster Kundenschwund aller Marken 2025 (unter 5 Prozent)
Stärke: Deutz-Motor bekannt für Langlebigkeit
Das Fazit: Wer rechnet, fährt Fendt – aber nicht nur
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Fendt dominiert das PowerMix-Ranking mit fünf Traktoren unter den ersten sechs Plätzen. Das Niedrigdrehzahlkonzept Fendt iD und die VarioDrive-Getriebe setzen Maßstäbe.
Aber: John Deere überrascht beim Transport. Wer viel auf der Straße unterwegs ist, sollte den 6R 185 genau anschauen. Und die FPT-Motoren in New Holland und Claas gehören zu den effizientesten bei reinen Zapfwellenarbeiten.
Was bedeutet das in Euro?
Ein Rechenbeispiel für 1.000 Betriebsstunden bei typischer Feldarbeit:
| Platz | Traktor | Verbrauch (Feld) | Differenz zum Sparsamsten* | Mehrkosten pro Jahr** |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Fendt 1050 Vario | 233 g/kWh | Referenz | – |
| 2 | Fendt 942 Vario | 237 g/kWh | +4 g/kWh | ca. 160 € |
| 3 | Fendt 728 Vario | 242 g/kWh | +9 g/kWh | ca. 360 € |
| 4 | Fendt 620 Vario | 245 g/kWh | +12 g/kWh | ca. 480 € |
| 5 | John Deere 6R 185 | 256 g/kWh | +23 g/kWh | ca. 920 € |
| 6 | New Holland T7.300 | 259 g/kWh | +26 g/kWh | ca. 1.040 € |
| 7 | Claas Axion 870 | 262 g/kWh | +29 g/kWh | ca. 1.160 € |
| 8 | Claas Arion 660 Cmatic | 276 g/kWh | +43 g/kWh | ca. 1.720 € |
| 9 | Fendt 314 Vario | 277 g/kWh | +44 g/kWh | ca. 1.760 € |
| 10 | Deutz-Fahr 6180 P | 279 g/kWh | +46 g/kWh | ca. 1.840 € |
*Vergleich innerhalb der jeweiligen Leistungsklasse sinnvoller – hier zur Übersicht alle Modelle
**Berechnung: Differenz in g/kWh × 150 kW Durchschnittsleistung × 1.000 h × 2 €/l Diesel ÷ 830 g/l (Dieseldichte)
Realistischer Vergleich nach Leistungsklassen
Da ein Vergleich zwischen einem 517-PS-Großtraktor und einem 142-PS-Kompaktschlepper wenig Sinn ergibt, hier die Ersparnis innerhalb der jeweiligen Klasse:
300-PS-Klasse (240–320 PS):
| Traktor | Verbrauch | Ersparnis vs. Klassendurchschnitt (280 g/kWh) |
|---|---|---|
| Fendt 728 Vario | 242 g/kWh | ca. 1.900 €/Jahr |
| New Holland T7.300 | 259 g/kWh | ca. 1.050 €/Jahr |
| Claas Axion 870 | 262 g/kWh | ca. 900 €/Jahr |
200-PS-Klasse (165–240 PS):
| Traktor | Verbrauch | Ersparnis vs. Klassendurchschnitt (270 g/kWh) |
|---|---|---|
| Fendt 620 Vario | 245 g/kWh | ca. 1.000 €/Jahr |
| John Deere 6R 185 | 256 g/kWh | ca. 560 €/Jahr |
| Claas Arion 660 Cmatic | 276 g/kWh | ca. –240 €/Jahr (leicht über Durchschnitt) |
Kompaktklasse (120–165 PS):
| Traktor | Verbrauch | Ersparnis vs. Klassendurchschnitt (285 g/kWh) |
|---|---|---|
| Fendt 314 Vario | 277 g/kWh | ca. 280 €/Jahr |
| Deutz-Fahr 6180 P | 279 g/kWh | ca. 210 €/Jahr |
DLG-PowerMix: So funktioniert der Test
Der PowerMix ist kein theoretisches Laborverfahren. Die DLG simuliert auf dem Rollenprüfstand in Groß-Umstadt echte Arbeitsbedingungen:
- 12 Feldzyklen: Pflügen, Grubbern, Kreiselegge, Mähwerk, Stalldungstreuer, Ballenpresse
- 2 Transportzyklen: Leichte und schwere Straßenfahrt mit 40, 50 und 60 km/h
- Gemessen wird: Diesel- UND AdBlue-Verbrauch
Anders als Herstellerangaben zeigen die PowerMix-Werte, was der Traktor wirklich verbraucht – unter reproduzierbaren Bedingungen.
Quellen: DLG TestService, profi Magazin, Herstellerangaben. Stand: Januar 2026











