Die Bereitschaft der Verbraucher, mehr Geld für tierfreundliche Produkte auszugeben, nimmt ab. Dies geht aus einer Umfrage der Initiative Tierwohl hervor, die auf der Grünen Woche 2026 präsentiert wurde. Laut der repräsentativen Forsa-Umfrage beabsichtigen 38 Prozent der Deutschen, künftig weniger für Produkte mit höherem Tierwohl zu bezahlen. Diese Entwicklung steht im Gegensatz zu den Zahlen von 2017, als noch 98 Prozent der Befragten bereit waren, mehr für tierfreundliche Produkte auszugeben; 2025 waren es nur noch 77 Prozent.
Wirtschaftliche Lage beeinflusst Konsumverhalten
Die Initiative Tierwohl führt diesen Rückgang unter anderem auf die angespannte wirtschaftliche Lage zurück. Trotz dieser Abnahme bleibt das Interesse an der Kennzeichnung von Fleischprodukten hoch. 90 Prozent der Befragten bewerten das fünfstufige System zur Kennzeichnung von Fleischprodukten positiv. Die Wahrnehmung dieser Haltungsform-Kennzeichnung ist ebenfalls gestiegen: 84 Prozent der Verbraucher nehmen sie bewusst wahr, was einem Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Anforderungen an die staatliche Kennzeichnung
Die Verbraucher haben klare Erwartungen an das geplante staatliche Kennzeichnungssystem für Tierhaltung. 96 Prozent der Befragten fordern regelmäßige Stallkontrollen bei den teilnehmenden Betrieben, um sicherzustellen, dass das staatliche Siegel vertrauenswürdig ist. Zudem sind 92 Prozent dafür, die Bürokratie für Betriebe und Handel so gering wie möglich zu halten. Wichtige Unterstützung verlangen die deutschen Landwirte: 84 Prozent der Befragten möchten nicht, dass sie durch die nationale Kennzeichnung schlechter gestellt werden als ihre ausländischen Kollegen.
Kennzeichnung in Handel und Gastronomie gefordert
Ebenfalls nahezu alle Befragten (90 Prozent) sprechen sich dafür aus, dass alle Lebensmitteleinzelhändler die Haltungsform-Kennzeichnung übernehmen sollten. Auch in der Gastronomie gibt es einen deutlichen Wunsch: 86 Prozent wünschen sich eine Anwendung dieser Kennzeichnung zumindest von den großen Ketten.
Trotz des Rückgangs in der Zahlungsbereitschaft bleibt das Bewusstsein für Tierwohl ein wichtiges Thema bei deutschen Verbrauchern. Die Herausforderung besteht nun darin, ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Bedingungen und ethischen Ansprüchen zu finden.
