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Heidemark fordert schnellere Genehmigungen gegen Investitionsstau

Die Heidemark-Konferenz im Berliner F.A.Z.-Atrium am 24. Februar 2026 zog rund 150 Teilnehmer aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Landwirtschaft an. Im Fokus stand die Diskussion über die Zukunft der Geflügelwirtschaft in Deutschland, mit besonderem Augenmerk auf Tierwohl, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit.

Forderung nach besseren Rahmenbedingungen

Andres Ruff, CEO von Heidemark, hob in seiner Eröffnungsansprache die Notwendigkeit verbesserter politischer Rahmenbedingungen für die Branche hervor. Angesichts der steigenden Anforderungen in den Bereichen Tierwohl, Umwelt- und Bioschutz sei es entscheidend, dass Förderprogramme verlässlich sind und Genehmigungsprozesse beschleunigt werden. Er betonte die Bereitschaft der Branche, höhere Standards zu unterstützen, sofern diese praktikabel sind und die Konkurrenzfähigkeit nicht untergraben.

Ein kritischer Punkt war das derzeitige Emissions- und Baurecht, das laut Ruff häufig Investitionen behindert und so die Selbstversorgung gefährdet. Er forderte eine Entbürokratisierung sowie schnellere Genehmigungen für Umrüstungen von Ställen.

Integration in die Boparan-Gruppe

Ruff wies auch auf die Stärkung der Investitionskraft durch die Integration in die britische Boparan-Gruppe hin. Diese Unterstützung ermögliche es Heidemark weiterhin, hochwertige Produkte auf dem Markt anzubieten und langfristige Unternehmensstrategien zu verfolgen. Geflügelprodukte wie Hähnchen- und Putenfleisch seien für alle Bevölkerungsschichten zugänglich und kein Nischenmarkt.

Europäische Lösungen gefordert

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze versprach politische Unterstützung beim Umbau der Tierhaltung und warnte vor einer zunehmenden Importabhängigkeit. Er betonte, dass Lösungen auf europäischer Ebene gefunden werden müssen und nationale Alleingänge problematisch seien.

Geflügel bleibt Wachstumsmarkt

In Podiumsdiskussionen wurde deutlich, dass Geflügel aus Sicht des Handels ein Wachstumsmarkt bleibt. Der schrittweise Verzicht auf niedrigere Haltungsformen führe dazu, dass Verbraucher allmählich höhere Standards akzeptieren. Dr. Julia Adou von ALDI Süd stellte fest, dass eine vollständige Umstellung Zeit erfordert; Dr. Leif Balz von der Schwarz-Gruppe kritisierte zudem fehlende Kennzeichnungen in der Außer-Haus-Verpflegung.

Kritik an Fleischkonsum und Finanzierung

Harald Grethe von Agora Agrar sprach sich für eine Reduzierung des Fleischkonsums und staatliche Unterstützung zur Finanzierung des Tierwohls aus. Dies stieß auf Gegenwind von Vertretern wie der ESG-Managerin von Big Dutchman, die betonte, dass Landwirte bereit sind zu investieren, wenn politische Bedingungen stabil sind.

Einheitliche Kennzeichnung gefordert

Silvia Breher vom Bundesministerium forderte eine einheitliche Tierhaltungskennzeichnung als Grundlage für Investitionssicherheit. Zunächst solle dies bei der Schweinehaltung umgesetzt werden; weitere Tierarten sollen folgen.

Praktische Herausforderungen im Stallbau

Putenhalter Philipp Mack verdeutlichte die Schwierigkeiten bei Investitionen aufgrund notwendiger separater Gutachten für jeden Planungsschritt, was Projekte erheblich verzögert. Auch Bernd Wiegmann von Heidemark forderte effizientere politische Prozesse.

Appell für mehr Handlungsspielraum

Zum Konferenzende appellierte Ruff erneut an die Politik: Die Branche brauche mehr Freiraum zum Investieren. Andernfalls drohe eine Abwanderung der Produktion in Länder mit niedrigeren Standards. Die Geflügelwirtschaft sei bereit, ihren Beitrag zu leisten – vorausgesetzt, es gibt verlässliche Rahmenbedingungen.