Die europäische Landwirtschaft steht vor einer bedeutenden Herausforderung: Der Verlust von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen könnte die regionale Lebensmittelversorgung gefährden. Laut Markus Röser, Leiter Kommunikation bei BASF Agricultural Solutions, sind seit 2019 in den EU-Staaten rund 85 Wirkstoffe weggefallen, ohne dass neue zugelassen wurden. Dies betrifft sowohl chemische als auch biologische Mittel. In Großbritannien hingegen wurden im gleichen Zeitraum vier neue Wirkstoffe genehmigt.
Ein schwindendes Arsenal für Landwirte
Der Mangel an verfügbaren Pflanzenschutzmitteln zwingt Landwirte, auf weniger effektive Alternativen zurückzugreifen, was die Bekämpfung von Schadgräsern und -insekten erschwert. Die Folge ist eine sinkende Effizienz im Resistenzmanagement und eine potenzielle Gefährdung der Ernährungssicherheit in Europa. Der Selbstversorgungsgrad liegt im Durchschnitt bei etwa 80 Prozent, aber besonders bei Obst und Gemüse ist dieser Wert mit nur noch 20 Prozent sehr niedrig.
Luximo: Ein Hoffnungsträger mit Hindernissen
Ein vielversprechender Wirkstoff namens Cinmethylin, bekannt unter dem Handelsnamen Luximo, wartet seit 2018 auf seine EU-Zulassung. Obwohl die Niederlande als zuständige Prüfbehörde den Wirkstoff positiv bewertet haben, verzögert sich der Prozess aufgrund sich ändernder Bewertungsparameter für endokrine Disruptoren. Diese Verzögerungen könnten die Markteinführung bis 2028 hinauszögern.
Notfallzulassungen als Übergangslösung
BASF beantragt Notfallzulassungen für Luximo in Deutschland und Österreich. Diese sind auf spezifische Regionen und Kulturen beschränkt und sollen kurzfristig Abhilfe schaffen. In Deutschland ist eine Zulassung für rund 400.000 Hektar Winterweizen vorgesehen, während in Österreich etwa 6.000 Hektar betroffen sind.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Forderungen an die Politik
Die Verzögerung der Luximo-Zulassung hat erhebliche wirtschaftliche Folgen für BASF. Die Entwicklung eines neuen Wirkstoffs erfordert etwa zehn Jahre und Investitionen von rund 300 Millionen Euro. Jede weitere Verzögerung verkürzt die wirtschaftlich nutzbare Zeit des Patentschutzes erheblich.
BASF fordert von der Politik eine wissenschaftlich fundierte Bewertung von Pflanzenschutzmitteln ohne ideologische Einflüsse sowie die Möglichkeit, neue Daten rechtssicher in laufende Verfahren zu integrieren. Nur so kann gewährleistet werden, dass Innovationen schnellstmöglich den Markt erreichen und zur Sicherung der regionalen Lebensmittelsouveränität beitragen.
