Die Düngemittelimporte in die Europäische Union (EU) haben zu Beginn des Jahres 2026 einen dramatischen Rückgang verzeichnet. Laut der europäischen Bauernorganisation Copa-Cogeca importierten die EU-Mitgliedstaaten im Januar und Februar dieses Jahres zwischen 60 und 80 Prozent weniger Stickstoffdünger aus Drittstaaten als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dies wirft erhebliche Bedenken hinsichtlich der Versorgungssicherheit auf.
Deutlicher Rückgang bei Düngemittelimporten
Zahlen der EU-Kommission, die von Copa-Cogeca ausgewertet wurden, zeigen, dass die Importe von 1,17 Millionen Tonnen im Januar 2025 auf weniger als 180.000 Tonnen im Januar 2026 gefallen sind, was einem Rückgang von über 80 Prozent entspricht. Im darauffolgenden Februar schrumpften die Importe um fast 70 Prozent. Die Organisation führt diesen drastischen Einbruch auf den kürzlich eingeführten Klimazoll CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) zurück.
Vorbereitung auf den Klimazoll
Interessanterweise stiegen die Düngemittelimporte aus Nicht-EU-Ländern in den Monaten vor Einführung des CBAM, also im November und Dezember 2025, deutlich an. Dies deutet darauf hin, dass viele Importeure ihre Lager vorab auffüllten, was jedoch auch den negativen Effekt des Klimazolls unterstreicht.
Iran-Konflikt verstärkt Druck auf Landwirtschaft
Copa-Cogeca warnt davor, dass der aktuelle Düngerengpass bereits vor dem Ausbruch des Konflikts im Iran problematisch war. Diese geopolitische Krise bedroht nun zusätzlich die Preise für Düngemittel und Energie. In einem Statement betonte die Organisation, dass der Preisdruck durch CBAM eine Belastung darstelle, die ohne Gefährdung der Stabilität der europäischen Landwirtschaft nicht kompensiert werden könne.
Zwischen 2019 und 2023 ist der Anteil der Kosten für Düngemittel in der Landwirtschaft von 44 auf 53 Prozent gestiegen, was den finanziellen Druck auf Landwirte weiter erhöht hat.
Forderungen an die EU-Kommission
Copa-Cogeca fordert von der EU-Kommission eine sofortige Aussetzung des CBAM-Klimazolls für Düngemittel und schlägt Kompensationen für Landwirte vor, um die zusätzlichen Kosten abzumildern. Weiterhin plädiert sie dafür, reguläre Einfuhrzölle für alle Arten von Stickstoffdünger abzuschaffen – derzeit gilt dies nur für Ammoniak und Harnstoff.
- Erleichterungen bei der Nitratrichtlinie
- Vereinfachte Zulassung biobasierter Düngemittel
- Langfristiger Aufbau einer wettbewerbsfähigen EU-Düngemittelindustrie
- Zollfreie Importkontingente in Freihandelsabkommen verankern
Diese Maßnahmen sollen laut Copa-Cogeca nicht nur kurzfristig Abhilfe schaffen, sondern auch langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft sichern.
