Die deutsche Milchindustrie konnte im Jahr 2025 trotz herausfordernder Marktbedingungen insgesamt zufriedenstellende Umsätze erzielen. Dennoch steht die Branche vor einem ungewissen Jahr 2026, in dem sie sich dem zunehmenden Druck auf dem Markt stellen muss. Die Frage bleibt, ob die Milchwirtschaft diesen Herausforderungen gewachsen ist.
Rückblick auf 2025: Milchwirtschaft mit gemischten Ergebnissen
Detlef Latka, der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV), betonte auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin, dass das Jahr 2025 trotz einiger Schwankungen in den Märkten positiv verlaufen sei. Er gab an, dass die Umsätze hoch geblieben seien, auch wenn das Jahresende nicht ganz so erfolgreich war wie erhofft.
Steigende Milchmengen und Preisdruck
Zu Beginn des Jahres führte eine geringere Milchmenge zu einem Anstieg der Produktpreise. Doch in der zweiten Jahreshälfte änderte sich dies: Das Milchaufkommen blieb hinter den saisonalen Erwartungen zurück und stieg insgesamt um etwa 1,1 % in Deutschland und um 1,8 % in der EU. Diese Entwicklung setzte die Produktpreise unter Druck.
Gründe für das erhöhte Milchaufkommen
Der MIV nannte mehrere Faktoren für das gestiegene Milchaufkommen. Ein Rückgang der Blauzungenkrankheit führte zu einer Erholung im Vergleich zum Vorjahr. Optimale Wetterbedingungen im Sommer und ein reichhaltiges Angebot an hochwertigem Futter trugen ebenfalls zur erhöhten Produktion bei.
Sorgen über sinkende Milchpreise
Trotz eines rekordverdächtigen Milchpreises im vergangenen Jahr blickt die Industrie skeptisch auf 2026. Erwartet wird ein Rückgang der Milchmenge erst zur Jahresmitte hin. Die Spotmärkte zeigen erste Gegenbewegungen, doch die Unsicherheit bleibt bestehen.
Anzahl der Milchkühe stabilisiert sich
Zum ersten Mal seit 2014 verzeichneten Statistiker wieder einen Anstieg bei den Tierzahlen. Allerdings steigen auch die Schlachtpreise, was Verkäufe von Kühen bei fallenden Preisen attraktiver machen könnte und den Strukturwandel vorantreibt.
Butter- und Milchproduktpreise fallen
Das Jahr begann mit hohen Butterpreisen, endete jedoch mit intensiven Preiswettbewerben im Einzelhandel. Während Käse weiterhin gefragt ist, schwächelt der Absatz von alternativen Produkten wie Joghurt und Käse aus pflanzlichen Quellen.
Herausforderungen im internationalen Handel
Schwierige Exportbedingungen durch einen starken Euro und schwachen Dollar belasten den Handel zusätzlich zu Zöllen in den USA und China. Diese Rahmenbedingungen führten zu einem Verlust von Marktanteilen im Bereich Käse und Butter.
Blick auf 2026: Eine herausfordernde Zukunft
Für das kommende Jahr zeigt sich Detlef Latka vorsichtig optimistisch, aber realistisch über die bevorstehenden Herausforderungen. Hohe Energiepreise, Bürokratie und unsichere Exportchancen werden als Hauptprobleme genannt, denen sich die Branche stellen muss.
