Die Frage, ob Deutschland ausreichend Getreide für die eigene Versorgung produziert, wird zunehmend wichtiger angesichts globaler Krisen und veränderter Handelsbedingungen. Die Getreideernte des Jahres 2024 war aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen schwach, während 2025 eine Erholung zu verzeichnen war. Doch auch bei besseren Erträgen gibt es Herausforderungen, die die Versorgungssicherheit beeinflussen können.
Internationale Konflikte beeinflussen Getreidemarkt
Die Zunahme internationaler Konflikte hat auch Auswirkungen auf den Getreidemarkt. Unsicherheiten bei Produktions- und Exportmengen in Ländern wie der Ukraine und Russland sowie unsichere Transportrouten wie das Schwarze Meer führen zu Veränderungen der Handelsströme. Auch die jüngsten Zollpolitiken der USA sorgen für unvorhersehbare Marktentwicklungen. Im Jahr 2025 erreichte die deutsche Getreideproduktion, inklusive Körnermais, rund 44,74 Millionen Tonnen, was einem Anstieg von 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Selbstversorgungsgrad: Eine knappe Bilanz
Deutschland zählt in der EU nach Frankreich zu den größten Getreideproduzenten und konnte im Wirtschaftsjahr 2024/25 einen Selbstversorgungsgrad von etwa 100 Prozent erreichen. Dennoch bleibt der Bedarf an bestimmten Getreidearten wie Hartweizen und Hafer unzureichend gedeckt, sodass erhebliche Importe notwendig sind. Der Selbstversorgungsgrad bei Weichweizen liegt bei 108 Prozent, während er bei Gerste sogar bei 124 Prozent erreicht wird.
Bedeutung von Futtergetreide
Ein Großteil des in Deutschland produzierten Getreides wird als Tierfutter verwendet. Von den insgesamt 44,7 Millionen Tonnen, die 2025 geerntet wurden, gehen mehr als die Hälfte in die Futtertröge der Tiere. Dies umfasst zwischen 6 und 7 Millionen Tonnen Futterweizen und knapp 6 Millionen Tonnen Gerste. Zusätzlich werden etwa 5 bis 5,5 Millionen Tonnen für Energiezwecke genutzt.
Qualitätsfragen beim Weizenanbau
Der Weizenanbau steht vor besonderen Herausforderungen: Um als Nahrungsweizen verwendet zu werden, muss dieser bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Die Düngung sowie Wetterverhältnisse spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Probleme beim Pflanzenschutz und witterungsbedingte Einflüsse beeinträchtigen jedoch oft die notwendige Qualität des Weizens.
Exportmärkte: Chance oder Risiko?
Trotz der Herausforderungen bleibt Deutschland ein bedeutender Exporteur von Qualitätsweizen. In den vergangenen Jahren beliefen sich die Ausfuhrmengen auf bis zu 15 Millionen Tonnen. Gleichzeitig importiert Deutschland zwischen 6 und 7 Millionen Tonnen Weizen zur Deckung des Bedarfs der Futterindustrie aus Ländern wie Tschechien und Polen.
Körnermais: Ein Importprodukt
Körnermais ist ein weiteres bedeutendes Futtermittel in Deutschland, das jedoch nicht in ausreichender Menge im Inland produziert wird. Im Jahr 2025 lag die Maisproduktion bei 4,5 Millionen Tonnen, während der Verbrauch bei etwa 6,7 bis 7,2 Millionen Tonnen lag. Der Importbedarf wird hauptsächlich aus Südosteuropa gedeckt.
