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Vogelgrippe in Niedersachsen: Landwirte fordern weniger Bürokratie

Im vergangenen Jahr hat die Vogelgrippe Niedersachsen besonders stark getroffen, mit über 1,7 Millionen getöteten Tieren als Folge der Ausbrüche. Niedersachsen, das als das führende Geflügelland Deutschlands gilt, ist damit besonders betroffen. Die meisten Ausbrüche ereigneten sich zwischen Anfang Oktober und kurz vor Weihnachten. Allein im Jahr 2025 wurden 91 Ausbrüche in Geflügelhaltungen registriert, und schon zu Beginn dieses Jahres gab es zwei weitere Fälle.

Strategien zur Eindämmung zukünftiger Ausbrüche

Die Debatte darüber, wie künftige massive Ausbruchsgeschehen minimiert werden können, bleibt intensiv. Holger Hennies vom Landvolk fordert einen Abbau bürokratischer Hindernisse, um den Bau neuer Ställe in weniger dicht besiedelten Gebieten zu ermöglichen. Momentan werden solche Bauvorhaben jedoch kaum genehmigt, was den gewünschten Fortschritt hemmt.

Risikofaktor Tierdichte

Laut Einschätzung des Landvolks sind häufigere Seuchenausbrüche in Regionen mit hoher Tierdichte keine Folge mangelnder Sorgfalt. Vielmehr erhöhe sich dort die statistische Wahrscheinlichkeit eines Seuchenfalls. Hennies betont, dass insbesondere Hähnchenmäster im Osten Niedersachsens Schwierigkeiten haben, Genehmigungen für neue Ställe zu erhalten. Er plädiert daher für eine Reform des Bau- und Immissionsschutzrechts.

Biosicherheitsmaßnahmen auf den Prüfstand

Trotz der Notwendigkeit zur Verbesserung der Risikovorsorge sieht Hennies keine Schuld bei moderner Tierhaltung für die weite Verbreitung des Virus. Es seien ihm keine Fälle bekannt, bei denen der Virus von Hof zu Hof übertragen wurde. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte erkennt hingegen Potenzial zur Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen gegen das Einschleppen des Virus, insbesondere durch strengeren Zugangskontrollen zu den Ställen.

Anpassung der Tierseuchenkassenbeiträge

Ein weiterer Vorschlag ist die Anpassung der Beiträge zur Tierseuchenkasse für mehrfach betroffene Betriebe – ähnlich dem Modell einer Autoversicherung. Diese Idee basiert auf der Beobachtung, dass bestimmte Betriebe wiederholt betroffen sind, während andere verschont bleiben. Laut Staudte seien die Biosicherheitsstandards in Deutschland jedoch bereits hoch.

Erweiterung des Risikobewusstseins

Miriam Staudte warnt zudem vor der Möglichkeit einer Übertragung der Vogelgrippe auf andere Tierarten wie Katzen und hat aus diesem Grund ein Monitoring durch das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) initiiert. Solche Fälle wurden bereits in Polen beobachtet. Langfristig sei es sinnvoller, die Besatzdichte in bestimmten Regionen zu verringern, da dies sowohl wirtschaftliche Vorteile als auch Risiken birgt.