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Anbindehaltungsverbot: Existenzbedrohung oder Chance?

Die Diskussion über ein Verbot der Anbindehaltung von Nutzvieh in Deutschland nimmt an Intensität zu, besonders angesichts der bevorstehenden Grünen Woche in Berlin. Ein offener Brief von 350 Tierärztinnen und Tierärzten an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Reiner fordert ein verbindliches Ende dieser Haltungsform. Ihrer Ansicht nach sei die Anbindehaltung nicht mehr zeitgemäß und mit dem Tierwohl unvereinbar.

Minister Reiner erwägt Kombihaltung als Kompromiss

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Reiner äußerte sich zuletzt im Oktober 2025 in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse zu dieser Thematik. Er betonte, dass die ganzjährige Anbindehaltung insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg rückläufig sei. Dennoch sucht die Politik nach Lösungen, die sowohl das Tierwohl als auch die speziellen Anforderungen der Almwirtschaft berücksichtigen. Als potenziellen Kompromiss nannte Reiner das österreichische Modell der Kombihaltung, bei dem Tiere im Sommer auf der Weide und im Winter angebunden im Stall gehalten werden können.

Kritik und Unterstützung für den Vorstoß in sozialen Medien

In den sozialen Netzwerken wird der Vorstoß der Tierärzte lebhaft diskutiert. Viele Nutzer sind sich einig, dass die dauerhafte Anbindehaltung nicht ideal ist, fordern jedoch eine differenzierte Betrachtung. Einige Praktiker heben hervor, dass gut geführte Anbindeställe durchaus Vorteile bieten könnten, während schlechte Laufställe ebenfalls problematisch sein können. Besonders kleine Betriebe in alpinen Regionen sehen sich durch ein mögliches Verbot bedroht.

Erfahrungen mit dem Umbau zu Laufställen

Einige Landwirte haben bereits den Schritt gewagt, ihre Betriebe von Anbindehaltung auf Laufställe umzustellen. Ein Landwirt berichtet von seinem kostengünstigen Umbauprojekt, das er mit Eigenleistung realisiert hat. Mit Materialkosten von etwa 5.000 Euro konnte er seinen Stall modernisieren und sieht diesen Schritt als positive Entwicklung.

Sorgen um wirtschaftliche Belastungen durch Mercosur-Abkommen

Zusätzlich zur Debatte über die Haltungsformen äußern viele Landwirte Bedenken hinsichtlich politischer Entscheidungen wie dem Mercosur-Handelsabkommen. Sie befürchten, dass strenge nationale Auflagen kleine Betriebe benachteiligen könnten, während Importe aus Übersee erleichtert werden. Diese Kombination könnte die heimische Landwirtschaft erheblich schwächen.

Bayerischer Bauernverband warnt vor Strukturwandel

Der Bayerische Bauernverband (BBV) spricht sich gegen ein sofortiges Verbot der Anbinde- und Kombinationshaltung aus. Rund 10.000 kleine Betriebe wären laut BBV-Präsident Günther Felßner betroffen und könnten ohne finanzielle Unterstützung oder bauliche Anpassungsmöglichkeiten kaum überleben. Der Verband plädiert für eine flexible Handhabung mit mindestens 120 Tagen Weidegang im Jahr sowie umfassender Unterstützung für betroffene Landwirte.

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