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Die Tierwohldiskussion und die Lebensrealität in Deutschland

Laut Prof. Gunther Hirschfelder, einem renommierten Kulturwissenschaftler, wird die Diskussion um das Tierwohl oft von der Lebensrealität vieler Menschen in Deutschland losgelöst geführt und könnte daher an der Wirklichkeit scheitern. In einem Artikel mit dem Titel „Blick von außen“ kritisiert er, dass der laute Ruf nach besserem Tierschutz und gesünderem Leben zwar populär ist, jedoch die politischen und sozialen Herausforderungen dabei oft unterschätzt werden.

Hirschfelder beschreibt die Debatte um Tierwohl und Fleischkonsum als Stellvertreterdiskussion, die tief in den Lebensstilen der modernen, digitalisierten Gesellschaft verwurzelt ist. Er identifiziert fünf unterschiedliche Gruppen innerhalb der Gesellschaft, die das Spektrum der Einstellungen und Verhaltensweisen widerspiegeln:

  1. Überzeugte Vegetarier und Veganer: Diese Gruppe ist moralisch-ethisch motiviert und tendenziell jung, akademisch gebildet, urban und weiblich. Für sie symbolisiert Fleisch die Zerstörung der Welt und das Leiden der Tiere.
  2. Konsumorientierte Genießer: Diese Gruppe legt wenig Wert auf Ethik im Konsum. Ihr energieintensiver Lebensstil umfasst den Verzehr exotischer Fleisch- und Fischprodukte, unabhängig von deren Herkunft.
  3. Die Überforderten: Von Informationen überfordert und durch Alltagssorgen belastet, resignieren viele und halten an traditionellen Konsummustern fest, in denen Fleisch eine bedeutende Rolle spielt.
  4. Un-Informierte: Oftmals Menschen mit Migrationshintergrund oder geringer Bildung, die kaum Kenntnis über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Umwelt haben. Für sie ist der Preis ausschlaggebend, und Fleisch wird gekauft, wenn es preisgünstig ist.
  5. Die moderate Mitte: Etwa ein Drittel der Bevölkerung konsumiert weniger Fleisch, zeigt sich jedoch offen für höhere Preise im Zuge gesteigerter Nachhaltigkeit und verbesserten Tierwohls.

Hirschfelder betont, dass politische Maßnahmen nur dann erfolgreich sein können, wenn sie nicht belehrend wirken und die strukturellen Gründe für das Verhalten der Konsumenten sowie deren Freiheit, selbst zu entscheiden, was sie essen, anerkennen.

Er prognostiziert, dass der Fleischkonsum teurer und dadurch weniger demokratisch zugänglich wird. Etwa die Hälfte der Bevölkerung möchte an einem hohen Fleischkonsum festhalten und wird größere Preissensibilität sowie eine höhere Toleranz für Qualität, Nachhaltigkeit und Tierwohl entwickeln. Ein Drittel der Konsumenten wird die bisherige Nachfrage aufrechterhalten wollen, jedoch mit einem stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit und Tierwohl. Ein Fünftel der Bevölkerung wird aktiv gegen die Fleischproduktion vorgehen. Doch die Skandalisierung der Fleischproduktion wird nachlassen, da andere gesellschaftliche Themen in den Vordergrund rücken.

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