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Deutschland erreicht seinen Erdüberlastungstag: Ein Weckruf für nachhaltigeres Handeln

Wenn alle Menschen auf der Welt so leben würden wie wir in Deutschland, wären schon heute alle nachhaltig nutzbaren Ressourcen für dieses Jahr aufgebraucht. Diese alarmierende Situation markiert der sogenannte deutsche Erdüberlastungstag, der dieses Jahr auf den heutigen Donnerstag fällt. Laut der Umweltorganisation Germanwatch, die sich auf Berechnungen des Global Footprint Network (GFN) stützt, verbraucht Deutschland weiterhin ein Vielfaches dessen, was global nachhaltig und gerecht wäre.

Aylin Lehnert, Bildungsreferentin bei Germanwatch, betont die Dringlichkeit: „Wir brauchen eine neue Schuldenbremse, eine für die Überlastung der Erde.“ Deutschland zeigt zwar seit 2010 eine leichte Tendenz zur Reduzierung der Erdüberlastung – von damals benötigten 3,3 Erden auf heute noch immer drei –, doch der Fortschritt ist zu langsam.

Ein erheblicher Einflussfaktor ist der anhaltend hohe Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten. In Deutschland wird rund 60 % der landwirtschaftlichen Fläche zur Produktion von Futtermitteln genutzt. „Allein 56 % des hierzulande erzeugten Getreides gehen in die Futtertröge“, erläutert Konstantinos Tsilimekis von Germanwatch. Dies führt dazu, dass zusätzlich enorme Mengen an Futtermitteln, wie Soja, importiert werden müssen, was 2022 zu einem Import von 3,4 Millionen Tonnen führte.

Der Anbau dieser Futtermittel treibt seit Jahrzehnten die Zerstörung von Wäldern und den Verlust von Biodiversität voran. Tsilimekis fordert daher eine drastische Reduzierung der Nutztierbestände und eine stärkere Direktverwendung von angebauten Nahrungsmitteln, um den Verbrauch von Ressourcen und die Zerstörung natürlicher Flächen zu minimieren.

Die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Ernährungsweise wird auch durch Studien des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung gestützt, welche die Vorteile einer fleischarmen Ernährung für die Klimaziele hervorheben. Tsilimekis betont zudem, dass die Förderung einer pflanzenbasierten Ernährung nicht nur durch individuelle Entscheidungen, sondern auch durch politische Maßnahmen unterstützt werden muss.

Hierbei könnten neue staatliche Programme, wie das Chancenprogramm Höfe, eine wichtige Rolle spielen. Dieses zielt darauf ab, Landwirte bei der Umstellung von Tierhaltung auf den Anbau klimafreundlicher pflanzlicher Lebensmittel zu unterstützen.

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