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Trockenheit verändert Herbizideinsatz bei Kartoffeln

Die anhaltend trockene Witterung erschwert in diesem Frühjahr den gezielten Einsatz von Herbiziden im Kartoffelanbau. Aufgrund fehlender Bodenfeuchte können viele Präparate ihre volle Wirkung nicht entfalten. Gleichzeitig eröffnen die aktuellen Bedingungen gute Möglichkeiten für mechanische Unkrautbekämpfung.

Aktuell profitieren viele Betriebe von der krümeligen Bodenstruktur, die durch die Trockenheit begünstigt wird. Erste Maßnahmen wie das Blindstriegeln zeigen oft schon wenige Tage nach der Pflanzung Wirkung. Spätestens mit dem Auflaufen erster Unkräuter ist der regelmäßige Einsatz von Hacke oder Striegel notwendig. Ziel ist es, den Boden leicht zu lockern und junge Unkräuter zu entfernen, ohne die Kulturpflanzen zu beeinträchtigen.

Im weiteren Kulturverlauf – von der Pflanzung bis zum Bestandesschluss – kommen hauptsächlich Häufelgeräte oder Hacktechnik zum Einsatz. Dabei ist besondere Vorsicht geboten, um weder das oberirdische Blattwerk noch die unterirdischen Knollen der Kartoffeln zu beschädigen.

Die chemische Unkrautbekämpfung muss sorgfältig an die trockenen Bedingungen angepasst werden. Üblicherweise erfolgt die Herbizidanwendung im Vorauflaufstadium, also bevor die Kartoffelpflanzen die Bodenoberfläche durchbrechen. Dabei stehen verschiedene Produkte mit Blatt- und Bodenwirkung zur Verfügung, die unterschiedliche Anforderungen an die Feuchtigkeit im Boden stellen.

Viele Flächen weisen aktuell jedoch nicht die nötige Bodenfeuchte auf. Daher sollte auf die Anwendung bodenwirksamer Herbizide vorerst verzichtet werden – es sei denn, die Bestände stehen kurz vor dem Durchstoßen. In solchen Fällen ist eine sofortige Behandlung ratsam, auch wenn kein Niederschlag in Sicht ist.

Die Wirksamkeit lässt sich in trockenen Phasen durch gezielte Maßnahmen steigern. Hierzu zählen hohe Wassermengen beim Spritzen, Beregnung oder die Aufteilung der Herbizidgaben in mehreren Teilmengen – sogenannte Splitting-Anwendungen. Ein Beispiel dafür ist die Kombination Bandur mit Bokator oder Centium. Wenn sich Unkraut bereits über das erste Laubblattpaar hinaus entwickelt hat, kann der zusätzliche Einsatz von Quickdown oder Toil notwendig sein. Eine Nachlage mit Produkten wie Arcade ist bis kurz nach dem Durchstoßen möglich, sofern die Kartoffelsorte Metribuzin verträgt.

Der Vorteil einer Splitting-Strategie liegt in der flexiblen Platzierung der Nachbehandlung. Diese kann dann unter günstigeren Bedingungen erfolgen, was die Wirksamkeit auch bei geringer Feuchtigkeit verbessert und verlängert.

Zudem ist die Einhaltung der Anwendungsbestimmungen für Clomazone- und Prosulfocarb-haltige Produkte unerlässlich. Diese Wirkstoffe unterliegen besonderen Auflagen, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Unterschiede in der Bodenfeuchteabhängigkeit der verschiedenen Herbizide sind bei der Auswahl entscheidend.

Für den Einsatz in Kartoffeln steht in dieser Saison erstmals flächendeckend der neue Wirkstoff Diflufenican (DFF) zur Verfügung. Er wird über Spross und Keimwurzel aufgenommen und zeigt eine langanhaltende Wirkung über mehrere Wochen. Präparate wie Jura Max oder Bokator enthalten diesen Wirkstoff und eignen sich gegen ein breites Spektrum an Unkräutern.

Für alle Herbizidanwendungen gilt: Die gesetzlichen Vorgaben, regionale Empfehlungen sowie Hinweise zur Sortenverträglichkeit und Anwendungszeitpunkte müssen sorgfältig beachtet werden.

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