Der Integrierte Pflanzenschutz (IPS) ist ein zentraler Bestandteil der modernen Landwirtschaft, um die Erträge zu sichern und gleichzeitig die Umwelt zu schonen. Besonders in Zeiten zunehmender Wetterextreme und schwindender Wirkstoffe ist es essenziell, auf innovative Strategien zurückzugreifen. Die EU hat 2009 den IPS als verpflichtend eingeführt, um die nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu fördern.
Gesunde Sorten als Basis des IPS
Die Entwicklung von Pflanzen mit erhöhter Resistenz gegenüber Krankheiten und Schädlingen spielt eine entscheidende Rolle im IPS. Laut Prof. Dr. Klaus Schlüter sind solche Sorten zukünftig wichtiger, da sie den Einsatz von Fungiziden minimieren können, was nicht nur Kosten spart, sondern auch die Widerstandskraft dieser Mittel erhält. Ein Beispiel aus dem Jahr 2015 zeigt, dass neuere Zuchtstämme selbst ohne Fungizide hohe Erträge erzielten.
Zudem könnten neue Züchtungsverfahren wie das Genome Editing in Zukunft erhebliche Fortschritte für die pflanzliche Widerstandsfähigkeit bringen. Aktuell sind diese Methoden jedoch noch nicht umfassend anwendbar.
Herausforderungen der Fruchtfolge
Die Fruchtfolge wird oft als Allheilmittel gegen Schadorganismen gesehen, doch sie kann lediglich die Befallswahrscheinlichkeit reduzieren, nicht aber vollständig eliminieren. Insbesondere bei über Wind übertragenen Krankheiten wie Rosten oder Mehltau bleibt sie wirkungslos. Dennoch können standorttreue Krankheiten durch angepasste Fruchtfolgen reduziert werden, wobei längere Rotationen notwendig sind.
In Norddeutschland haben Leguminosen bereits zur Entlastung enger Getreidefruchtfolgen beigetragen. Dennoch wären längere Rotationen wünschenswert, um den Befallsdruck nachhaltig zu senken.
Saatzeitpunkt beeinflusst Pflanzengesundheit
Der Zeitpunkt der Aussaat kann maßgeblich die Gesundheit von Wintergetreide beeinflussen. Frühsaaten sind anfällig für Pilzkrankheiten und fördern Unkräuter stark. Eine spätere Aussaat könnte in Kombination mit robusten Sorten zu besseren Ergebnissen führen. Problematisch bleibt jedoch die Aussaat auf bestimmten Standorten aufgrund wetterbedingter Einschränkungen.
Ernterückstände sinnvoll verwerten
Schädliche Pilze wie Fusarium oder Phoma können auf Pflanzenresten überdauern und sich durch Sporen verbreiten. Eine sorgfältige Zerkleinerung der Ernterückstände fördert deren Abbau durch Mikroorganismen und Regenwürmer im Boden, wodurch der Infektionsdruck sinkt.
Für eine effektive Stoppelrotte ist ein aktives Bodenleben notwendig, welches durch Qualitätskompost unterstützt werden kann. Verbesserungen im Nacherntemanagement sind besonders wichtig, wenn Sommerfrüchte geplant sind.
Spezifische Herausforderungen beim Maisanbau
Im Maisanbau besteht erhebliches Verbesserungspotential bei der Bearbeitung der Stoppeln. Diese sollten nach der Ernte zerkleinert und eingearbeitet werden, um Fusarium-Pilzen und dem Maiszünsler entgegenzuwirken. Aktuell werden diese Maßnahmen jedoch noch unzureichend umgesetzt.
Um den Integrierten Pflanzenschutz effektiv umzusetzen und somit sowohl Erträge als auch Umwelt zu schützen, sind zahlreiche Maßnahmen erforderlich – von gesunden Sorten über optimierte Fruchtfolgen bis hin zur korrekten Bearbeitung von Ernterückständen.
