Die Versorgung mit Mineraldünger ist derzeit gesichert, doch die Preise sind weltweit im Aufwind. Landwirte in Europa sehen sich mit drastischen Kostensteigerungen konfrontiert, während der Europäische Bauernverband Copa-Cogeca die EU-Kommission auffordert, den Klimazoll CBAM auszusetzen. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hingegen warnt vor den Konsequenzen eines solchen Schrittes.
Preisanstieg trotz gesicherter Versorgung
Laut Dr. Philipp Spinne, Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbandes, ist die Verfügbarkeit von Stickstoffdünger für Landwirte in Deutschland momentan gewährleistet. Diese Aussage wird auch vom Industrieverband Agrar (IVA) gestützt, der betont, dass trotz der aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten keine Engpässe zu befürchten seien.
Dennoch erleben Landwirte eine beispiellose Preissteigerung auf dem Weltmarkt. Die Konflikte im Iran haben dazu geführt, dass die Preise für Stickstoffdünger rapide ansteigen. Aktuell müssen Landwirte für AHL mehr als 400 €/t zahlen.
Forderung nach Aussetzung des Klimazolls
Angesichts dieser Entwicklungen hat der EU-Bauernverband Copa-Cogeca kürzlich gefordert, neben den regulären Einfuhrzöllen auch den CBAM-Klimazoll temporär auszusetzen. Diese Maßnahme könnte die Einfuhrpreise von Düngemitteln aus Nicht-EU-Ländern senken und so die finanzielle Belastung der Landwirte verringern.
Schutz der europäischen Düngerindustrie
Sowohl der DRV als auch der IVA stehen dieser Forderung jedoch kritisch gegenüber. Sie argumentieren, dass ohne den Schutz durch den Klimazoll europäische Hersteller erheblich benachteiligt würden. Dr. Spinne hebt hervor, dass die hohen CO2-Kosten für europäische Produzenten ein wesentlicher Wettbewerbsnachteil seien.
Er betont, dass eine Aussetzung des CBAM nur dann gerechtfertigt wäre, wenn parallel dazu die CO2-bedingten Kosten für europäische Produzenten gesenkt würden. Nur so könne ein fairer Wettbewerb gewährleistet werden.
Zukunftsängste bei anhaltendem Konflikt
Trotz der gegenwärtig stabilen Düngerversorgung wirft Dr. Spinne einen besorgten Blick in die Zukunft. Sollte der Krieg im Nahen Osten andauern und wichtige Handelswege blockiert bleiben, könnten ernsthafte Lieferschwierigkeiten auftreten. Besonders kritisch wäre eine längerfristige Sperrung der Straße von Hormus, da dies die Versorgungssicherheit gefährden könnte.
In Katar liegt eines der größten Harnstoffwerke weltweit, das täglich zehntausende Tonnen produziert. Eine Unterbrechung dieser Lieferkette hätte gravierende Folgen für den Düngermarkt.
