Anzeige
 

BRICS-Staaten planen eigene Getreidebörse ohne US-Dollar

Bei ihrem Gipfeltreffen in Kasan haben die BRICS-Staaten den russischen Vorschlag zur Gründung einer gemeinsamen Getreidebörse positiv aufgenommen. Diese Initiative zielt darauf ab, eine stabile Lebensmittelversorgung zu gewährleisten. In der „Erklärung von Kasan“ heben die Mitgliedsstaaten hervor, dass ein regelkonformer Handel unabdingbar ist, welcher nicht durch „unverhältnismäßig restriktive wirtschaftliche Maßnahmen“ beeinträchtigt werden sollte. Die geplante Getreidebörse soll perspektivisch auch für den Handel weiterer landwirtschaftlicher Produkte dienen.

Die BRICS-Staaten, zu denen neben Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika auch Länder wie Ägypten, Äthiopien, der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate gehören, unterstützen zudem den Gebrauch der eigenen Währungen bei finanziellen Transaktionen untereinander sowie mit Handelspartnern. Russland verfolgt das Ziel, den Handel von der Dominanz des US-Dollars zu lösen, um dessen Einfluss zu mindern. Die neue Getreidebörse und die verstärkte Nutzung nationaler Währungen sind Teil dieser Strategie, wodurch möglicherweise bestehende westliche Sanktionen umgangen werden könnten.

Dennoch erwartet man, dass der Aufbau einer solchen gemeinsamen Börse sowohl schwierig als auch zeitintensiv sein wird. Russland und Brasilien, als wichtige Getreideexporteure dieser Gruppe, spielen dabei eine zentrale Rolle. Laut Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) exportierte Russland im Wirtschaftsjahr 2023/24 etwa 55,5 Millionen Tonnen Weizen, was 25% der globalen Weizenexporte ausmacht.

Seit dem 11. Oktober 2024 hat Russland begonnen, Getreide und Getreideprodukte direkt an verbündete Staaten zu liefern, ohne die Beteiligung internationaler Handelsunternehmen. Die russische Union der Getreideexporteure entschied, Getreidelieferungen direkt an Regierungsbehörden und staatliche Abnehmer in 13 Länder zu senden. Ausländische Handelsunternehmen, die keine langfristigen Kaufverträge besitzen, sind von diesen Lieferungen ausgeschlossen.

Rusagrotrans, ein russischer Logistikkonzern, schätzt, dass die Weizenexporte Russlands im Oktober 5,4 Millionen Tonnen erreichen könnten, was den Rekord des Vorjahresmonats übertreffen würde. Als Hauptfaktoren für diesen Anstieg gelten die global steigenden Getreidepreise und die hohe Nachfrage nach russischem Weizen. In der dritten Oktoberwoche näherten sich die Exportpreise für russischen Weizen mit 12,5% Protein den Konsensindizes der Union der Getreideexporteure und stiegen gegenüber der Vorwoche um 4 US-Dollar auf 235 bis 238 US-Dollar pro Tonne.

Weitere Agrarmarkt-Nachrichten

Chinas Stopp von Diesel-Exporten treibt globale Preise in die Höhe

Die angespannte Situation im Nahen Osten hat weitreichende Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt. China, das über etwa 17 % der weltweiten Raffineriekapazitäten...

Schweinepreise steigen weiter, decken jedoch nicht die Produktionskosten

Die Schweinepreise in Deutschland steigen seit drei Wochen kontinuierlich an, dennoch sind die aktuellen Preise für viele Schweinehalter noch nicht kostendeckend. Neben...

Deutschland: Getreideernte 2025 sichert Versorgung trotz globaler Krisen

Die Frage, ob Deutschland ausreichend Getreide für die eigene Versorgung produziert, wird zunehmend wichtiger angesichts globaler Krisen und veränderter Handelsbedingungen. Die Getreideernte...

Weizenpreise steigen: Investoren zeigen neuen Optimismus

Inmitten von steigenden Rohölpreisen und globalen Unsicherheiten verzeichneten die Agrarmärkte unterschiedliche Entwicklungen. Während Raps und Mais trotz der Erhöhung der Rohölpreise Verluste...

Straßensperrung von Hormus: Keine Gefahr für deutsche Agrar-Exporte

Die jüngste Schließung der Straße von Hormus durch den Iran, ausgelöst durch die Eskalation militärischer Konflikte mit den USA und Israel, hat...