Die anhaltenden russischen Offensive gegen ukrainische Seehäfen hat im Dezember 2025 eine weitere Eskalations-Etappe erreicht, die auch für die europäische Agrarwirtschaft spürbare Folgen zeitigt. Russland beschädigte im letzten Monat des Jahres gezielt zivile Frachtschiffe in den Schwarzmeerhäfen, die für den Export von Agrargütern und Rohstoffen von zentraler Bedeutung sind. Diese Entwicklung wirkt sich unmittelbar auf die logistischen Abläufe im ukrainischen Getreide- und Rohstoffgeschäft aus und wirft Fragen zur Sicherung globaler Lieferketten auf.
Russische Angriffe auf Hafeninfrastruktur
Nach Angaben internationaler Agenturen verursachten Luft- und Raketenangriffe auf die Häfen der Südukraine im Dezember Schäden an 13 zivilen Handelsschiffen – überwiegend Bulk-Carrier, die für Getreide, Ölfrüchte und Eisenerze unterwegs waren. Diese Zahl entspricht rund 10 % aller seit Beginn des groß angelegten Kriegs im Februar 2022 betroffenen Schiffe und zeigt die steigende Intensität der Angriffe gegen ukrainische Seewege.
Der Verlust bzw. die Beschädigung dieser Schiffe trifft die ukrainischen Agrarproduzenten besonders hart. Die Seehäfen rund um Odesa, Chornomorsk und Pivdennyi sind essenzielle Exportknotenpunkte für Ernteüberschüsse, und ihr eingeschränkter Betrieb verteuert Transporte spürbar.
Auswirkungen auf Exporte & Agrarwirtschaft
Im Dezember 2025 konnten die ukrainischen Häfen nur etwa 75 % der geplanten Exportmengen abwickeln, bevor sich die Lage im Januar leicht verbesserte (auf etwa 84 %). Die ständigen Unterbrechungen, kombiniert mit wiederkehrenden Luftalarm-Phasen – allein in der Region Odesa wurden im vergangenen Jahr über 800 Alarme registriert – führten zu längeren Liegezeiten, geringeren Umschlagzahlen und höheren Transportkosten.
Für die Landwirtschaft bedeutet dies eine doppelte Belastung:
- Sinkende Exportvolumina: Während im November noch circa **4 Mio. t Agrarprodukte ausgeführt wurden, gingen diese im Dezember auf rund 3,7 Mio. t zurück.
- Erhöhte Logistikkosten: Verspätete Abfertigung, erhöhte Versicherungsprämien und zusätzliche Sicherheitsrisiken lassen die Frachtraten steigen.
Da Agrargüter mehr als die Hälfte der ukrainischen Exporteinnahmen ausmachen (im Jahr 2025 etwa rund 23 Mrd. USD), trifft der eingeschränkte Seehandel nicht nur die Produzenten direkt, sondern schwächt die gesamte Wertschöpfungskette der Landwirtschaft.
Warum das auch für Landwirte in Deutschland & Europa wichtig ist
Auch für europäische Landwirte und Agrarhandelspartner hat die Lage in der Ukraine konkrete Auswirkungen:
- Preisdruck auf den Weltmärkten steigt, wenn Exportkapazitäten begrenzt sind.
- Versorgungssicherheit für Futtermittel und Getreideimporte kann schwanken.
- Transportalternativen wie Schiene oder Binnenschifffahrt, die ohnehin schon überlastet sind, geraten noch stärker unter Druck.
Weil Russland mit den Angriffen auf Seehäfen auch Eisenbahn- und Energieinfrastruktur verstärkt ins Visier nimmt, verschärfen sich logistische Engpässe zusätzlich.
