Der europäische Kartoffelmarkt steht Anfang 2026 unter Druck, da die Lagerbestände sowohl bei Speisekartoffeln als auch bei Pommes frites-Rohstoffen ungewöhnlich hoch sind. Dies stellt die Branche vor erhebliche Herausforderungen, da der Bedarf an Entsorgungsmaßnahmen zur Reduzierung der Überschüsse wächst.
Übervolle Lagerbestände belasten den Markt
Die Agrarmarkt Informations GmbH (AMI) hat am 1. Februar eine Umfrage unter Kartoffelexperten durchgeführt, die zeigt, dass die Vorräte im Vergleich zum Vorjahr dramatisch angestiegen sind. Bei Pommes frites-Kartoffeln verzeichnen die Lager einen Zuwachs von nahezu 50 %, während Speisekartoffeln um über 40 % zugenommen haben. Diese Situation führt dazu, dass die Marktteilnehmer weiterhin auf ein günstigeres Preisumfeld hoffen, insbesondere bei qualitativ hochwertigen Produkten.
Regionale Unterschiede bei der Lagerhaltung
In Niedersachsen, insbesondere in den Regionen Hannover und Uelzen, sind die Bestände sowohl im Speise- als auch im Verarbeitungssektor höher als im Vorjahr. Trotz Bemühungen zur Entsorgung bleibt das Angebot zu groß für den aktuellen Bedarf. Ähnlich sieht es in Weser-Ems aus, wo bisher weniger Kartoffeln genutzt wurden und etwa 10 % der Bestände entsorgt werden mussten.
Auch Schleswig-Holstein meldet einen Anstieg der Lagerbestände im Vergleich zum Vorjahr. In Hessen schreitet die Lagerräumung voran, obwohl einige Bestände bis Juni verfügbar sein könnten. Dies könnte den Bedarf an Importkartoffeln aus dem Mittelmeerraum reduzieren.
Spezifische Herausforderungen in anderen Bundesländern
Rheinland-Pfalz kämpft mit hohen Lagermengen aufgrund von Angebotsdruck aus Überschussgebieten. Direktvermarkter berichten hier von den höchsten Beständen seit Jahren und erwarten eine Verringerung der Anbaufläche.
Baden-Württemberg sieht sich mit größeren Erntemengen konfrontiert, was zu einem Anstieg der Lagerbestände führt. Die Kühlbedingungen und unzureichende Abreife könnten jedoch zu einem erhöhten Ausschuss führen.
Bayern registriert ebenfalls massive Vorräte aufgrund guter Erträge. Besonders bei Pommes frites-Rohstoffen sind die Mengen beträchtlich größer als zuvor.
Andalusiens Hoffnung auf gute Erntebedingungen
In Südeuropa herrscht unterdessen Optimismus: In Andalusien hat das trockene Wetter Ende letzter Woche endlich Fortschritte beim Anbau von Frühkartoffeln ermöglicht. Dennoch bleiben viele Felder aufgrund vorhergehender Nässe ungenutzt.
Laut Asociafruit sind weniger als 10 % des geplanten Anbaugebiets bepflanzt. Die Sorgen um Mehltau könnten die erwarteten Erträge weiter schmälern und signalisieren niedrige Marktverfügbarkeiten im Mai.
Kartoffellager in Kanada auf Rekordniveau
Nicht nur in Europa gibt es Herausforderungen: Auch Kanada verzeichnet Rekordvorräte an Kartoffeln trotz einer kleineren Ernte im Jahr 2025. Am 1. Februar lagerten dort 3,5 Mio. t, was einem Anstieg von 6,5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Zollprobleme beeinträchtigen den Export von Pommes frites in die USA erheblich, was zur aktuellen Lage beiträgt. Alberta und British Columbia kompensieren zwar rückläufige Bestände in anderen Provinzen, doch bleibt die Verwertung schwierig.
