In Kolumbien steht die Landwirtschaft vor einer erneuten Herausforderung, da die Regierung nach einer langen Pause wieder auf den Einsatz von Glyphosat setzt, um Koka-Plantagen zu vernichten. Diese Maßnahme soll der stark gestiegenen Kokainproduktion im Land Einhalt gebieten. Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeutet das eine Rückkehr zu einem umstrittenen Herbizid, das nicht nur in der Landwirtschaft, sondern nun auch in der Drogenbekämpfung eingesetzt wird.
Glyphosat als Mittel im Drogenkrieg
Kolumbien greift nach Kritik der USA an seiner Drogenpolitik erneut auf Glyphosat zurück, um gegen den Kokainanbau vorzugehen. Das Herbizid wirkt systemisch und tötet Pflanzen ab, indem es ein essentielles Enzym blockiert. In der Vergangenheit wurde der Einsatz von Glyphosat aufgrund von Umwelt- und Gesundheitsbedenken eingestellt, doch angesichts der Verdopplung der Anbauflächen für Koka in den letzten zehn Jahren hat sich die kolumbianische Regierung zu einem Richtungswechsel entschieden.
Landwirte zwischen den Fronten
Besonders betroffen sind Landwirte in Regionen, wo kriminelle Gruppen aktiv sind und Bauern zum Koka-Anbau zwingen. Laut Justizminister Andrés Idárraga soll Glyphosat gezielt in diesen gefährlichen Gebieten versprüht werden, dabei kommen moderne Technologien wie Drohnen zum Einsatz. Die erneute Genehmigung des Herbizideinsatzes erfolgt jedoch unter strengen Auflagen und ist geografisch begrenzt.
Drogenhandel: Eine lukrative Herausforderung
Der weltweite Kokainhandel bleibt ein lukratives Geschäft mit einem geschätzten Umsatz zwischen 80 und 100 Milliarden US-Dollar jährlich. Kolumbien ist weiterhin führend im Kokainanbau, wobei über 250.000 Hektar Anbaufläche auf das Land entfallen. Kritiker argumentieren jedoch, dass der Einsatz von Glyphosat nur kurzfristige Erfolge bringt und die grundlegenden Ursachen des Drogenhandels wie Armut und fehlende staatliche Unterstützung nicht angeht.
Zweifel an langfristigen Lösungen
Obwohl das Herbizid kurzfristig wirksam sein könnte, bleibt unklar, ob es das Drogenproblem nachhaltig löst. Der „Plan Colombia“ aus den späten 90er Jahren zeigte bereits die Grenzen eines solchen Ansatzes auf. Auch wenn Glyphosat in anderen Ländern wie Mexiko und Guatemala ähnliche Zwecke erfüllte, bleiben strukturelle Probleme ungelöst.
Für landwirtschaftliche Betriebe stellt sich somit nicht nur die Frage nach der Effektivität solcher Maßnahmen, sondern auch nach deren ökologischen und sozialen Auswirkungen. Langfristige Lösungen erfordern eine umfassende Strategie, die über chemische Mittel hinausgeht und nachhaltige Alternativen schafft.
