Im Kontext einer erwarteten Überproduktion von Lagerkartoffeln in Westeuropa hat Israel seine Anbaufläche für Frühkartoffeln reduziert. Ziel ist es dennoch, rechtzeitig zum Osterfest Ende März auf dem Markt präsent zu sein.
Frühkartoffeln aus Israel: Ein wichtiger Faktor im europäischen Markt
Die Rolle der israelischen Frühkartoffeln im deutschen Lebensmittelhandel ist bedeutend, besonders zu Beginn des Jahres. Gemeinsam mit Importen aus Ägypten markieren sie den Start in das neue Kartoffeljahr, wobei sie durch Frische und Qualität überzeugen, jedoch auch zu höheren Preisen angeboten werden.
Überproduktion in Europa beeinflusst israelische Anbauentscheidungen
Für 2026 wird ein herausfordernder Saisonstart erwartet, da die Märkte in der EU mit Lagerkartoffeln überversorgt sind. Die EU bleibt fast der einzige große Absatzmarkt für israelische Frühkartoffeln, abgesehen von kleineren Exporten nach Großbritannien, die Schweiz und Norwegen.
Aufgrund niedriger Preise und voller Lagerkapazitäten hat Israel seine Pflanzungen für Exportkartoffeln im Herbst und Winter 2025/26 um 25% reduziert. Gleichzeitig bleibt die Produktion für die heimische Verarbeitung stabil, während der Anbau für den Inlandsmarkt unverändert bleibt.
Anbausituation in Israel
In den letzten sechs Jahren wurden in Israel auf etwa 14.000 bis 15.000 Hektar Kartoffeln angebaut, hauptsächlich in der Negev-Wüste nahe dem Gazastreifen. Der Konflikt mit der Hamas am 7. Oktober 2023 führte zunächst zu einem Rückgang des Anbaus, der jedoch mittlerweile kompensiert wurde.
Die Erntemenge sank von rund 500.000 Tonnen auf geschätzte 420.000 Tonnen. Etwa ein Drittel dieser Menge wird exportiert, wobei sich die Angaben je nach Quelle unterscheiden können. Für das Jahr 2026 wird ein Rückgang auf etwa 140.000 Tonnen erwartet, was Beobachter vor Ort bestätigen.
Märkte und Herausforderungen im Export
Deutschland bleibt der wichtigste Abnehmer für israelische Frühkartoffeln. Im Jahr 2025 wurden offiziell 36.000 Tonnen importiert, hinzu kommen erhebliche Mengen aus Transitwaren über die Niederlande, Belgien oder Slowenien. Letztere Quelle verliert jedoch an Bedeutung zugunsten direkter Lieferungen an Nordseehäfen.
Spanien hat sich ebenfalls als wichtiger Markt etabliert, insbesondere durch die Supermarktkette Mercadona, die unabhängiger von französischen Lagerkartoffeln wird. Dort könnten bis zu 40.000 Tonnen abgesetzt werden.
In Nordeuropa haben politische Spannungen den Verkauf reduziert, ebenso wie das Desinteresse mindestens eines Discounters an israelischen Frühkartoffeln in weiteren Märkten. Auch Exporte nach Russland und Großbritannien sind rückläufig.
Aussichten für das Jahr 2026
Die Saison für Frühkartoffeln beginnt 2026 voraussichtlich früher als üblich, da die Pflanzungen bereits zwei Wochen vor dem Vorjahrestermin starteten. Ziel ist es, pünktlich zum Osterfest lieferbereit zu sein.
Klimatisch gab es keine negativen Einflüsse; bislang blieben Kälteeinbrüche aus, die sonst den Anbau beeinträchtigen könnten. Allerdings wurde bei den ersten Pflanzen ein reduzierter Knollenansatz festgestellt.
Für Spanien gilt dies als Vorteil, da dort größere Knollen bevorzugt werden; dennoch könnte der Gesamtertrag leicht geringer ausfallen. Die ab Mitte Oktober gepflanzten Kartoffeln für Deutschland sollen normal wachsen und durch gezielte Maßnahmen mehr Drillinge als im Vorjahr hervorbringen – diese finden auch als Baby-Potatoes ihren Weg nach Großbritannien.
