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Kubota: Der japanische Riese, den viele unterschätzen

Wer an große Traktormarken denkt, nennt Fendt, John Deere oder Claas. Kubota? Das sind doch die mit den kleinen Kommunaltraktoren. Diese Einschätzung ist weit verbreitet – und grundlegend falsch. Der japanische Konzern aus Osaka ist längst zum drittgrößten Landtechnikhersteller der Welt aufgestiegen und hat ambitionierte Pläne für Europa.

Vom Wasserrohr-Hersteller zum Weltkonzern

Die Geschichte von Kubota beginnt 1890 – nicht mit Traktoren, sondern mit Gusseisen-Rohren für Wasserleitungen. Gründer Gonshiro Kubota legte damit den Grundstein für ein Unternehmen, das heute über 50.000 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von rund 17,5 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Der Einstieg in die Landtechnik erfolgte erst in den 1960er-Jahren. Seitdem verfolgt Kubota eine Strategie, die sich fundamental von europäischen und amerikanischen Herstellern unterscheidet: Große Hubräume, weniger Zylinder, weniger Turboaufladung. Das Ergebnis sind Motoren, die als besonders langlebig gelten.

Platz 5 in Deutschland – mit einer Besonderheit

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2024 wurden in Deutschland 1.911 Kubota-Traktoren neu zugelassen. Das entspricht einem Marktanteil von 6,5 Prozent und Platz 5 hinter Fendt, John Deere, Claas und Deutz-Fahr. Im Januar 2025 kletterte Kubota sogar auf Platz 3 der Zulassungsstatistik.

Doch diese Zahlen haben einen Haken. Bei Traktoren über 50 PS – also den typischen Ackerschleppern – liegt Kubota nur auf Platz 9. Der Großteil der verkauften Maschinen sind Kompakttraktoren wie die B1-Serie, die vor allem im Kommunalbereich und in der Landschaftspflege eingesetzt werden.

Die Kverneland-Übernahme veränderte alles

Der entscheidende Wendepunkt kam 2012. Kubota übernahm die norwegische Kverneland Group – einen der traditionsreichsten Hersteller von Anbaugeräten in Europa. Mit einem Schlag hatte der japanische Konzern Zugriff auf Pflüge, Sämaschinen, Düngerstreuer, Ballenpressen und Pflanzenschutzspritzen.

Das Ziel: Kubota will vom Traktorhersteller zum Vollsortimenter werden. Die Kverneland-Geräte gibt es seitdem auch in Orange mit Kubota-Schriftzug. In 22 europäischen Ländern sind diese Anbaugeräte inzwischen erhältlich.

Made in France: Kubotas Europa-Offensive

Anders als viele vermuten, kommen die größeren Kubota-Traktoren nicht aus Fernost. Die M7-Serie mit 130 bis 175 PS wird seit 2015 im nordfranzösischen Bierne produziert. Für das dortige Werk investierte Kubota nach eigenen Angaben erhebliche Summen.

Die aktuelle M7004-Generation, die 2024 zum 10-jährigen Jubiläum der Baureihe vorgestellt wurde, setzt auf einen 6,1-Liter-Vierzylinder – ein typisches Kubota-Konzept. Während andere Hersteller bei 170 PS längst auf Sechszylinder setzen, bleiben die Japaner bei weniger Zylindern mit mehr Hubraum.

Was Kubota-Fahrer schätzen – und was sie kritisieren

Praktiker berichten von überdurchschnittlicher Zuverlässigkeit und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Händlerzufriedenheit mit Kubota wurde in Umfragen wiederholt mit Spitzenwerten bewertet.

Die Kritik konzentriert sich auf zwei Punkte: Die Obergrenze von 175 PS schließt größere Betriebe aus. Und der Kraftstoffverbrauch liegt nach verschiedenen Tests über dem Niveau vergleichbarer Wettbewerber.

Die Zukunft: Wasserstoff und autonomes Fahren

Kubota arbeitet an einem Wasserstoffmotor mit 3,8 Litern Hubraum und präsentierte 2024 einen fahrerlosen M7-Prototypen. Parallel investiert der Konzern 600 Millionen Euro in ein neues Forschungszentrum in Japan und 55 Millionen Euro in ein europäisches Entwicklungszentrum in Frankreich.

Der nächste logische Schritt wäre eine Erweiterung nach oben. In Nordamerika bietet Kubota bereits größere Sechszylinder-Traktoren an. Branchenkenner erwarten, dass diese Modelle auch in Europa kommen werden.

Fazit: Unterschätzt, aber nicht zu unterschätzen

Kubota ist längst kein Nischenanbieter mehr. Mit einem Umsatz, der den von AGCO (Fendt, Massey Ferguson, Valtra) übersteigt, spielt der Konzern in der obersten Liga der Landtechnik. Die Kombination aus Traktoren und dem kompletten Kverneland-Anbaugeräte-Programm macht Kubota zu einem echten Full-Liner.

Für Landwirte, die einen zuverlässigen Traktor bis 175 PS suchen und Wert auf ein abgestimmtes Gesamtsystem legen, ist Kubota eine ernsthafte Alternative zu den etablierten Marken. Der japanische Riese ist angekommen – auch wenn viele das noch nicht bemerkt haben.


Letzte Aktualisierung: Januar 2026

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