In der Tierhaltung müssen Landwirte auf subtile Anzeichen achten, die auf ernsthafte Gesundheitsprobleme hinweisen können. Ein solches Signal ist das Zähneknirschen bei Kälbern, was oft auf eine Azidose hindeutet. Diese Übersäuerung des Pansens oder Körpers kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden und führt zu erheblichen Schmerzen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
Wie entsteht Azidose bei Kälbern?
Eine zentrale Ursache für die Entwicklung einer Azidose ist der sogenannte Pansentrinken. Dabei gelangen Kohlenhydrate aus der Nahrung in den noch nicht vollständig entwickelten Pansen der Kälber, wo sie fermentieren und Säuren wie Milch- und Buttersäure freisetzen. Diese Säuren reizen die Pansenschleimhaut und können starke Bauchschmerzen verursachen. Bleibt eine solche Pansenazidose unbehandelt, steigt das Risiko einer metabolischen Azidose.
Subklinische Azidosen, die weniger offensichtlich sind, treten häufig infolge einer unausgewogenen Fütterung auf. Wenn Kälber zu früh von der Milch entwöhnt werden und noch nicht bereit sind, große Mengen an Kraftfutter zu verdauen, entsteht ein saures Milieu im Pansen. Dies kann langfristig zu Wachstumsverzögerungen und Organschäden führen.
Erkennen von Azidose-Symptomen
Landwirte sollten aufmerksam auf Verhaltensänderungen ihrer Kälber achten. Zähneknirschen in Kombination mit einem veränderten Trink- und Fressverhalten sind Warnsignale, die ernst genommen werden müssen. Auch eine Überprüfung der Vitalzeichen wie Körpertemperatur und Atmung ist entscheidend.
Besonders wichtig ist es, die Fütterung genau zu überwachen. Zu viel Kraftfutter oder Milch auf einmal kann problematisch sein. Zudem sollten Landwirte sicherstellen, dass die Kälber jederzeit Zugang zu frischem Wasser haben und im Zweifel tierärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Azidose
Bei Verdacht auf Azidose ist ein schneller Eingriff unerlässlich. Ein Tierarztbesuch hilft, die genaue Ursache festzustellen und eine geeignete Behandlung einzuleiten. In der Regel umfasst diese Flüssigkeitsersatz und gegebenenfalls Schmerzmittel sowie Puffersubstanzen zur Stabilisierung des Pansens.
Um weiteren Komplikationen vorzubeugen, kann es notwendig sein, die Energiezufuhr anzupassen und den Mineralstoffhaushalt des Kalbes auszugleichen. Dies fördert die Genesung und stärkt das Immunsystem.
Vorbeugemaßnahmen gegen Azidosen
Einem schleichenden Verlauf von subklinischen Azidosen kann durch gezielte Vorbeugemaßnahmen entgegengewirkt werden. Eine langsame Einführung von Kraftfutter ermöglicht dem Pansen eine angemessene Entwicklung. Auch ein sanftes Tränkemanagement ist wichtig, um Stresssituationen für die Tiere zu minimieren.
Zudem sollten alle Mitarbeiter im Stall geschult werden, um Auffälligkeiten wie Zähneknirschen frühzeitig zu erkennen und entsprechend handeln zu können.
Bedeutung für den landwirtschaftlichen Betrieb
Kälber mit unbehandelter Azidose trinken weniger und sind anfälliger für Krankheiten, was sich negativ auf ihre Wachstumsrate auswirkt. Langfristig führen subklinische Formen dieser Erkrankung oft zu geminderter Milchleistung oder schlechterer Mastleistung späterer Kuhgenerationen.
Für Betriebe bedeutet dies einen erhöhten Aufwand hinsichtlich Pflege und Behandlungskosten sowie potenzielle wirtschaftliche Verluste durch geringere Erträge.
