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BHV-1-Ausbruch in Norditalien: 200 Rinder von hochansteckendem Virus betroffen

In den letzten Wochen wurden bei Routinekontrollen in Rinderbetrieben Norditaliens zahlreiche Tiere positiv auf das Bovine Herpesvirus 1 (BHV-1) getestet. Aktuell sind rund 200 Rinder betroffen, was die Sorge in der Region erheblich verstärkt.

Wirtschaftliche Bedrohung durch IBR

Das Trentino, eine Region in Norditalien, hat es über zwei Jahrzehnte hinweg geschafft, seine Rinderbestände frei von BHV-1 zu halten. Nun jedoch verzeichneten Behörden Infektionen auf mehreren Betrieben in den Gemeinden Ala und Avio. Die Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR), wie die Krankheit auch genannt wird, ist sehr ansteckend und stellt ein großes Risiko für die Landwirtschaft dar. Laut Renzo Creazzi, dem Präsidenten der Molkerei Sabbionara, ist die Existenz vieler rinderhaltender Betriebe bedroht.

Die Auswirkungen von IBR sind beträchtlich: Sie führt zu verminderter Fruchtbarkeit sowie einem deutlichen Rückgang der Milch- und Mastleistungen bei den betroffenen Rindern. Ein verpflichtender Sanierungsplan schreibt vor, dass infizierte Tiere innerhalb eines Jahres geschlachtet werden müssen, was enorme wirtschaftliche Verluste für die Landwirte bedeutet.

Mangelnde Schutzmaßnahmen in Venetien

Nach Angaben des Portals ildolomiti.it könnte die gemeinsame Almsaison mit Tieren aus der angrenzenden Region Venetien zur Verbreitung des Virus beigetragen haben. Während das Trentino erhebliche Mittel in Überwachung und strenge Auflagen investiert hat, fehlt im benachbarten Venetien ein ähnliches Schutzprogramm.

Dieser Fall unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden Seuchenbekämpfung, die nur dann effektiv ist, wenn sie flächendeckend umgesetzt wird. Die Veterinärbehörden im Trentino setzen ihre Tests fort, um eine rasche Eindämmung der Krankheit zu erreichen.

Bedeutung von BHV-1

Laut dem Friedrich-Löffler-Institut ist das Bovine Herpesvirus 1 (BHV-1), auch bekannt als IBR oder IPV-Virus, verantwortlich für Krankheitsbilder wie die Infektiöse Bovine Rhinotracheitis und Infektiöse Vulvovaginitis. Aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung wurden umfassende Impfprogramme durchgeführt, um es zu eliminieren. Viele EU-Länder, darunter Deutschland, gelten mittlerweile als BHV-1-frei. In Deutschland wurde das Virus zuletzt im Herbst des Vorjahres festgestellt.

  • BHV-1 kann bei Rindern Fieber und Husten verursachen.
  • Ein Absinken der Milchleistung sowie Aborte können ebenfalls auftreten.
  • Für Menschen ist das Virus ungefährlich.

Laut EU-Recht gilt ein Land als BHV-1-frei, wenn mindestens 99,8 % der rinderhaltenden Betriebe und 99,9 % des Rinderbestandes negativ getestet werden. Diese Maßstäbe zeigen die Herausforderungen bei der Bekämpfung solcher Tierkrankheiten auf.