Die Landwirtschaft in Europa steht vor einer kritischen Phase: Während die EU-Agrarminister am Mittwoch in Brüssel zusammenkommen, um über die jüngsten Bauernproteste und das umstrittene Mercosur-Abkommen zu diskutieren, sind viele Landwirte besorgt über die Auswirkungen auf ihre Betriebe. Die Proteste im Dezember, die die Hauptstadt der Europäischen Union lahmlegten, haben deutlich gemacht, dass der Widerstand gegen das Abkommen groß ist.
Treffen der EU-Agrarminister ohne deutschen Minister
Das außerplanmäßige Treffen der Agrarminister wurde von der EU-Kommission einberufen und soll von 13:30 bis 17:30 Uhr stattfinden. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer wird jedoch nicht persönlich anwesend sein, da er sich bei einer CSU-Klausur in Bayern befindet. Stattdessen wird Staatssekretär Prof. Dr. Dr. Markus Schick Deutschland vertreten.
Für die Betriebe bedeutet dies, dass ihre Anliegen möglicherweise nicht direkt durch den Minister selbst vertreten werden. Rainer unterstützt grundsätzlich die Position der Bundesregierung zur schnellen Unterzeichnung des Abkommens und betont die Wichtigkeit eines freien Handels. Dennoch erkennt er an, dass die Bedenken der Landwirte berücksichtigt werden müssen.
Schutzklauseln im Fokus
Ein zentraler Punkt des Treffens wird die Diskussion über Schutzmaßnahmen für die Landwirtschaft im Rahmen des Mercosur-Abkommens sein. Das Abkommen, dessen Unterzeichnung ursprünglich im Dezember geplant war, wurde aufgrund von Bedenken aus Italien und starkem Widerstand aus der Landwirtschaft verschoben. Bundeskanzler Friedrich Merz geht dennoch von einer baldigen Unterzeichnung aus.
Bauernpräsident Joachim Rukwied sieht dies kritisch und fordert weitere Anpassungen im Agrarteil des Abkommens oder zusätzliche Schutzklauseln. Er betont, dass das Abkommen nicht auf Kosten der deutschen Landwirtschaft gehen dürfe. Für ihn steht fest: Lebensmittel mit niedrigeren Standards sollten nicht importiert werden.
Bauernproteste nehmen Fahrt auf
Während die politischen Gespräche laufen, bereitet sich das Bündnis „Land-schafft-Verbindung“ (LsV) gemeinsam mit den Freien Bauern auf bundesweite Protestaktionen vor, um Druck gegen das Mercosur-Abkommen auszuüben. Die Aktionen sind für den 8. Januar geplant und sollen Autobahnen blockieren.
Laut LsV geht es darum, auf die Bedrohung für lokale Betriebe aufmerksam zu machen und sicherzustellen, dass europäische Standards bei Importen eingehalten werden. Die Frage nach der Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und ihrer Finanzierung sowie steigende Inputkosten belasten viele Landwirte zusätzlich.
Ausblick auf kommende Entscheidungen
Die kommenden Tage werden entscheidend dafür sein, wie sich die Situation entwickelt. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen plant bereits eine Reise nach Paraguay zur möglichen Unterzeichnung des Handelsabkommens Mitte Januar. Für Landwirte bleibt zu hoffen, dass ihre Bedenken Gehör finden und Lösungen gefunden werden, die sowohl Wettbewerbsfähigkeit als auch Nachhaltigkeit sicherstellen.
