Anzeige
 

Roggenanbau: Nährstoffmangel senkt genetische Vielfalt drastisch

Die Herausforderungen des Nährstoffmangels auf landwirtschaftliche Kulturen sind vielfältig, und neue Studien legen nahe, dass nicht nur der Ertrag darunter leidet. Besonders die genetische Vielfalt von Roggenpflanzen wird durch unzureichende Nährstoffversorgung beeinträchtigt. Diese Erkenntnisse stammen aus einer Langzeitstudie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben.

Anhaltender Roggenanbau unter schwierigen Bedingungen

Seit mittlerweile 145 Jahren wird auf den Versuchsfeldern der Universität Halle-Wittenberg Roggen ohne den Einsatz von Düngemitteln angebaut. Diese einzigartige Studie bietet wertvolle Einblicke in die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf Pflanzen. Zusätzlich zu den nicht gedüngten Flächen wurde eine Kontrollparzelle angelegt, auf der der Roggen mit praxisüblichen Mengen an Stickstoff, Phosphor und Kalium versorgt wurde.

Genetische Vielfalt unter Druck

Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, wie sich Nährstoffmangel auf die genetische Diversität von Roggen auswirkt. Der Fokus lag dabei auf der Meiose, dem Prozess der Zellkernteilung, bei dem genetisch unterschiedliche Keimzellen entstehen. Die Forscher stellten fest, dass bei unzureichender Nährstoffversorgung die Neukombination der Gene deutlich eingeschränkt ist. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei optimal versorgtem Roggen eine höhere genetische Durchmischung.

Ältere Sorten besonders betroffen

Laut Christina Wäsch, einer führenden Wissenschaftlerin der Studie, lässt sich dieser Effekt mit dem Mischen eines Kartenspiels vergleichen: Weniger neue Kombinationen bedeuten weniger Vielfalt. Besonders ältere Roggensorten reagierten empfindlicher auf den Mangel als neuere Sorten, bei denen die genetische Durchmischung nicht so stark beeinträchtigt war.

Implikationen für die Landwirtschaft

Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies, dass Nährstoffmangel nicht nur Ertragseinbußen verursacht, sondern auch langfristig die Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit von Kulturpflanzen beeinflusst. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten jedoch auch positive Entwicklungen in der Pflanzenzüchtung anstoßen. Durch gezieltes Mischen von Genen unter Stressbedingungen könnten widerstandsfähigere Sorten entwickelt werden, die besser mit extremen Witterungsbedingungen zurechtkommen.

Diese Forschungsergebnisse bieten somit wertvolle Ansätze für zukünftige Züchtungsstrategien, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen und nachhaltig produktive Landwirtschaft zu gewährleisten.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Acker

USA investieren 700 Mio. Dollar in regenerative Landwirtschaft für Farmer

Die USA investieren 700 Millionen US-Dollar in ein Pilotprojekt zur Förderung der regenerativen Landwirtschaft. Diese Initiative zielt darauf ab, die Bodengesundheit zu...

EuGH-Urteil: Cypermethrin-Zulassung rechtswidrig

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat kürzlich entschieden, dass die erneute Zulassung des Insektizidwirkstoffs Cypermethrin durch die EU-Kommission im Jahr 2021 nicht rechtmäßig...

Dürre in den USA bedroht Ertragspotenzial von Wintergetreide

Trockene Bedingungen belasten US-GetreidebeständeIn den wichtigsten Anbaugebieten der USA spitzt sich die Lage aufgrund anhaltender Trockenheit weiter zu....

Sturmtief Elli: Landwirte in Norddeutschland vor Schneechaos gewarnt

Die Landwirtschaft in Norddeutschland steht vor erheblichen Herausforderungen, da Sturmtief Elli mit starkem Schneefall und stürmischen Winden erwartet wird. Der Deutsche Wetterdienst...

Präzisionslandwirtschaft: Bodenbearbeitung optimiert Ertrag und spart Kosten

In der heutigen Agrarwirtschaft müssen Landwirte zunehmend auf Präzisionslandwirtschaft setzen, um den vielfältigen Herausforderungen gerecht zu werden. Eine kürzlich durchgeführte Feldstudie in...